Jetzt ist die beste Jahreszeit für den Plänterwald. Der Boden ist grün gefärbt vom Bärlauch, die Bäume aber sind noch kahl, sodass man einen guten Blick hat auf das, was hier einmal war und was gerade geschieht: Der Spreepark wird von Grün Berlin, der landeseigenen Gesellschaft für nachhaltige Stadtentwicklung, neu gestaltet und soll wieder das werden, was er einmal war, ein Vergnügungspark. Beruhigend, dass die Eingriffe bislang nicht besonders brachial wirken.
Schon fertig renoviert ist das angrenzende Eierhäuschen und überrascht im Innern mit Schlichtheit und einem bewussten Umgang mit der wechselvollen Geschichte des Hauses, der weder vor Linoleum noch vor Berliner Ochsenblutfarbe zurückschreckt, ohne an Eleganz einzubüßen. Das Restaurant Ei mit großer Spreeblickterrasse ist seit drei Monaten geöffnet. Am Freitag durften Christoph Schmidt von Grün Berlin und Britta Behrendt, Staatssekretärin für Klimaschutz und Umwelt, den ersten Baustein des neuen Spreeparks, den „Spreepark Art Space“ einweihen, denn Kunst wird für das neue Konzept ein wichtiger Angelpunkt sein. Im Eierhäuschen wurden Künstlerresidenzen für Künstler- und Forschergruppen eingerichtet, die für jeweils drei Monate hier arbeiten und ausstellen.

Die erste Ausstellung „Park Einsichten“ gibt die Richtung der neuen Plattform vor, deren Künstlerische Leitung Katja Aßmann übernommen hat, die seit der IGA 2017 mit Grün Berlin zusammenarbeitet. Drei in Berlin arbeitende Künstlerinnen und ein Künstler zeigen in vier Räumen jeweils eine Installation, die das Ergebnis ihrer jahrelangen Auseinandersetzungen mit dem Spreepark ist. Der Zugang könnte unterschiedlicher nicht sein, über allem schwebt ein interdisziplinärer Leitgedanke, der hier Vergnügen, Natur und Kunst zusammenbringen soll.
Spreepark Art Space: Intime Begegnungen mit der Geschichte des Geländes
Vor dem Eingang weht eine Signalfahne, sie kündigt das „Parkalphabet“ der fotografierenden Autorin Sabine Scho an. Sie spürte im Park der „knalligen Welt“, dem „Lunapark“ von George Grosz nach und übersetzte ihre Fundstücke in ein Alphabet. Auf Fahnen gebannt, sollen sie die Besucherinnen animieren, selbst Entdeckungen zu machen.
Auch Annett Zinsmeister besuchte den Park seit 2019. Kurz darauf wurde das Riesenrad abgebaut und sie fragte sich, was mit einem Vergnügungspark passiert, wenn das Vergnügen weg ist. Mit langen Stoffbahnen und einem Teppich als Grundriss stellte sie den Park als Labyrinth nach und bietet so eine individuelle, intime Begegnung mit seinen Geheimnissen.

Auf die akustische Ökologie des Parks macht der Künstler, Forscher und Komponist Marcus Maeder aufmerksam. Er sammelte Klänge und Geräusche die er in einen Klangraum, einen geodätischen Kuppelbau, überführte und so hörbar macht, während auf einem Monitor Tierfotos von Wildkameras zu sehen sind.
Sissel Tolaas schließlich ist Geruchsforscherin. Sie extrahiert Moleküle, füllt sie in Rohre und lässt den Geruch in den Ausstellungsraum strömen. In einem durchsichtigen Tubus hat sie Wasser aus den alten Becken des Spreeparks und der Spree mit den dazugehörigen Sedimenten gefüllt. Was sich darin alles tummelt, wird über Mikro-Spionagekameras an die Wand projiziert.
Spreepark Art Space, Kiehnwerderallee 2, Plänterwald. Bis 20. Mai.


