Leila (Layla Mohammadi) sitzt zwischen allen Stühlen, das wird gleich deutlich. Da läuft die junge Frau durch die Straßen New Yorks, mit Burka über Kopf und Schultern, untenrum aber nur mit Bikinihöschen, das Surfboard im Arm. Sie ist auf dem Weg zu einer queeren Halloweenparty, wo sie mit dem Kostüm prompt einen Preis gewinnt.
Das Outfit bezeichnet zugleich ihre zwei Identitäten als Tochter traditioneller iranischer Einwanderer und dem westlich-modernen Umfeld von Brooklyn, wo sie schon als Nesthäkchen der Familie lieber Basketball spielte als sich in die Rolle zu fügen, die ihre Eltern neben den acht älteren Brüdern für sie vorgesehen haben.
„Persian Version“: Ein Leben zwischen allen Stühlen
Über ihr Aufwachsen im Kulturclash will sie nun einen Film drehen, wovon ihre dominante Mutter Shireen (Niousha Noor) ebenso wenig begeistert ist wie von Leilas früheren Beziehung mit einer Frau, der sie noch nachtrauert. Als Leila bei der Party mit einem als Drag Queen verkleideten Typ (Tom Byrne) im Bett landet und prompt schwanger wird, kritisiert Shireen auch diesen Ausrutscher scharf, dabei hat sie ihre eigenes dunkles Jugendgeheimnis, das die Großmutter als Skandal bezeichnet. Ohnehin treibt die Familie gerade die Sorge um Vater Ali (Bijan Daneshmand) um, der im Krankenhaus auf eine lebensrettende Herz-Transplantation wartete.
Die 1975 in New York geborene Regisseurin Maryam Keshavarz erzählt in ihrem dritten Spielfilm „The Persian Version“ sehr frei die eigene Familiengeschichte und will dabei, ganz wie ihre Protagonistin, viel. Sie springt zwischen Zeitebenen hin und her, von der Gegenwart zur Kindheit im Brooklyn der 80er bis zu den Jugendjahren der Mutter im Iran der 60-er und zurück, vermengt dabei die leicht subversive Komödie mit tragischen Elementen.
Rasant, warmherzig und oft auch witzig
Ins Potpourri passt auch eine bunte Tanznummer, in der die Verwandtschaft in Teheran zu der von der kleinen Leila eingeschmuggelten Musikkassette mit Cindy Laupers „Girls Just Wanna Have Fun“ spontan gemeinsam eine Choreographie performt, als sei es ein Bollywoodspektakel.
Das inszeniert Keshavarz rasant, warmherzig und oft auch witzig, verliert beim Zusammenrühren all der losen Enden letztlich aber den Überblick. Wenn Leila dann auch noch direkt in die Kamera das Geschehen ironisch kommentiert, wird es endgültig etwas zu viel des Guten.
Komödie USA 2023, 108 min., von Maryam Keshavarz, mit Layla Mohammadi, Shervin Alenabi, Bijan Daneshmand


