Mit einem Programm jenseits des Mainstreams präsentierten sich das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin (DSO) unter der Leitung von Ruth Reinhardt und Daniil Trifonov am Sonnabend in der Philharmonie. Dieses Konzert war etwas Besonderes, denn es stellte Trifonovs Debüt beim DSO dar. Das Eröffnungsstück bildete ein Orchesterwerk der finnischen Komponistin Lotta Wennäkoski (Jahrgang 1970). Anschließend gab es etwas Zeitgenössisches aus den USA: das Klavierkonzert von Mason Bates (Jahrgang 1977), das an diesem Abend seine deutsche Erstaufführung hatte. Nach der Pause stand Antonín Dvořáks fünfte Sinfonie auf dem Programm, die im Vergleich zu seinen anderen Sinfonien eher selten zu hören ist.

Schwirrend, schillernd und schimmernd. So könnte man das Stück von Lotta Wennäkoski, die unter anderen bei ihrer Landsmännin Kaija Saariaho studierte, mit drei Worten beschreiben. Doch das, was bisweilen wie ein gigantischer Insektenschwarm klingt, ist in Wirklichkeit von Laufgeräuschen inspiriert. „Om fotspår och ljus“ („Über Fußspuren und Licht“) heißt das Werk. Es ist inspiriert von der Oper „Asiens Ijus“ der finnischen Komponistin Ida Moberg (1859 – 1947), die das Leben Buddhas nacherzählt. Tatsächlich schlägt einer der Perkussionisten zu Beginn des Stücks ein Paar Schuhe gegeneinander, doch das Schuhgeklapper wird bald von Harfenklängen, silbrigen Glockentönen und feinseidig aufspielenden Streichern abgelöst. Ruth Reinhardt und das DSO brachten das Stück wunderbar farbenreich und glitzernd zum Klingen.

Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter Leitung von Ruth Reinhardt in der Philharmonie.
Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter Leitung von Ruth Reinhardt in der Philharmonie.© Jakob Tillmann | Jakob Tillmann

Anschließend betritt Daniil Trifonov die Bühne. Eremitenhaft im Aussehen, mit langen Haaren und Bart wird klar, dass ihm Äußerlichkeiten nichts bedeuten. Der 33-jährige Russe lebt für die Musik und in der Musik. Das Konzert von Bates ist vielleicht kein Meisterwerk, etwas zu banal und eklektizistisch wirkt es mit seinen filmmusikartigen Passagen, den neoromantischen Einsprengseln und den poppigen Momenten, doch Trifonov spielt dieses Stück, als wäre es das bedeutendste Klavierkonzert, das je komponiert wurde. Sein Klavierton ist so schwerelos schwebend und gleichzeitig so klar, dass man es kaum glauben kann.

Daniel Trifonov spielt als Zugabe ein Solostück von Claude Debussy

Die virtuosen Passagen haben eine phänomenale Brillanz, während er die choralhaften Momente betörend schön gestaltet, mit feinen farblichen und dynamischen Differenzierungen. Das Zusammenspiel mit dem Orchester ist fabelhaft, wozu auch das präzise Dirigat von Ruth Reinhardt einiges beiträgt. Zu Recht gibt es für die diese großartige Leistung viel Applaus, Trifonov bedankt sich mit einem Solostück von Claude Debussy: „Reflets dans l‘eau“ aus dem ersten Band der „Images“, das er ein wenig hastig, aber mit großartiger Klangkultur darbietet.

Auch Dvořáks Fünfte gelingt sehr überzeugend. Resolut und mit viel Temperament startet der erste Satz, von feiner Melancholie durchtränkt, ohne allzu sentimental zu werden, erklingt das Andante con moto, während Ruth Reinhardt das Scherzo mit viel Schwung, wie einen Tanz bei einem böhmischen Dorffest, musizieren lässt. Sehr energisch und dramatisch gestaltet die Dirigentin auch das Finale, das mit einer Jubelstimmung endet. Vom Publikum gibt es dafür viel Beifall, allerdings verzichtet das Orchester auf eine Zugabe. Trotzdem: ein spannender Abend mit einem vielfältigen Raritäten-Programm.