Die Dancefloors von Berlin bis New York waren in den Achtzigern brechend voll, wenn Alphavilles Megahit „Big In Japan“ lief. Live löst der Song heute noch bei den Vertretern der Babyboomer und Generation X heftige Erinnerungen aus. Und Emotionen irgendwo zwischen Melancholie und Euphorie. Zusammen mit dem 20-köpfigen Filmorchester Babelsberg unter der Leitung von Dirigent Christian Köhler transformiert die Band die 80er-Hymne in ein Klassik-Gewand. Ein neues, vielfarbiges Soundspektrum, über dem die unverkennbare Stimme von Frontmann Marian Gold erklingt. Der Lohn dafür: frenetischer Applaus.
Im so ziemlich bis auf den letzten Platz gefüllten Tempodrom zelebrieren Alphaville das dritte ihrer insgesamt vier Konzerte in der Hauptstadt anlässlich ihrer „40th Anniversary: The Symphonic“ Tour. Für Wahlberliner Marian Gold ein echtes Heimspiel nach einem gefeierten, ersten Konzert in der Philharmonie im Juni und einem zweiten ausverkauften dort vor vier Wochen. Damit möglichst viele Fans die Chance haben, das Alphaville-Jubiläum mitzufeiern, gibt es zum Tourabschluss Anfang Februar noch eine Zusatzshow auf der ganz großen Bühne in der Mercedes-Benz Arena.
Alphaville-Konzert in zwei Sets unterteilt
Der Gig ist dabei unterteilt in zwei Sets, wobei zwei der Welthits, das besagte „Big In Japan“ und „Sounds Like A Melody“, nicht lange auf sich warten lassen. Den größten indes, „Forever Young“, gibt es erst am Schluss.
Als sich drei Punks in Berlin vor vierzig Jahren zusammen taten und etwas später in einen kleinen, dreckigen Übungskeller in Westfalen gingen, hätte niemand gedacht, dass sie kurze Zeit mit diesen Titeln von ihrem Debütalbum eine Weltkarriere starten würden.
Einzig verbliebenes Gründungsmitglied ist nach mehreren Umbesetzungen mittlerweile der 69-jährige Gold. Nuanciert stimmstark sorgt er für den hohen Wiedererkennungswert von Alphaville. Hier erweitert durch das facettenreiche Instrumentarium und den kraftvollen, sinfonischen Klang des Filmorchesters Babelsberg.
Die erste Hälfte ist von dynamischen Wechseln von Tempi und Stimmungen geprägt. Vielleicht zuweilen etwas pathetisch, aber absolut hörenswert. Nach der Pause wird es sehr balladenlastig. Los geht es mit dem melodisch schwebenden „Welcome To The Sun“. Passend dazu hat Marian Gold seinen dunklen Anzug gegen ein helles Sommer-Outfit mit buntem Hemd getauscht.
Mit den vorwiegend ruhigen Stücken stellt sich eine nachgerade somnambule Atmosphäre in der Arena ein. Wobei sich der Alltag mit seinen Sorgen und Nöten immer weiter entfernt. Bis das Feld perfekt für den Überfliegerhit „Forever Young“ bereitet ist. Man möchte es in diesem Moment fast glauben. Der grandiose Schlusspunkt eines mitreißenden Konzerts.


