Anker-Shirts, soweit das Auge reicht, Fans, die bei einem Schnack irgendwo zwischen Empore und Sofalandschaft im Festsaal Kreuzberg in Berlin ein Bier trinken, während die Band den Soundcheck vollendet. Die Atmosphäre ist betont lässig beim ausverkauften Clubkonzert, ehe erst mal „Ich werd‘ mich ändern“ von 4 Promille aus der Konserve kommt.
Soweit sind die Fans vermutlich noch nicht. Dennoch Anlass genug, beim Pogen vor der Bühne schon mal Kraft zu sammeln für das, was bei dem Konzert noch kommt. Denn kaum springen „Monchi“ Jan Gorkow und seine Bandkollegen auf die Bühne, fliegen die Bierbecher – volle wie leere. „Wir sind zurück in unserer Stadt“, ruft der Sänger Berlin entgegen, der Stadt, die die Feine Sahne Fischfilet (FSF) ausgewählt hat, das Release ihres ersten Live-Albums zu feiern. Und wischt mit der Mischung aus alten und neuen Songs binnen Minuten alle Befürchtungen weg, mit dem im Frühjahr veröffentlichten Studio-Album „Alles glänzt“ ohne den Zusatz „Live“ zu soft geworden zu sein.

Feine Sahne Fischfilet in Berlin: Politisch bleibt sich die Band treu
Monchi: „Wer den Fernseher anmacht, aufs Handy guckt: überall nur Weltuntergang. Lasst uns heute Abend schauen, was uns verbindet und nicht, was uns trennt“, sagt er zum Publikum und erntet Applaus.
„Ich hab Angst zu erfrieren, weil‘s jeden Tag brennt / Ich hab Angst zu erfrieren, wenn ich noch mehr verdräng / Und weil′s jeden Tag brennt, lass ich′s einfach brenn / Ab jetzt überleben die Flammen“, heißt es in, eigentlich logisch, „Ich hab Angst zu erfrieren“ aus dem Frühjahr.
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„Es brennt“ erwidern die Fans, als Gorkow ihnen das Mirko hinhält, ehe gleich die wahre Bewährungsprobe folgt: Der Sänger setzt selbst zum Surfen an, doch die Fans halten, was die Geräuschkulisse verspricht.
„Lasst und schauen, was uns verbindet / Und nicht was uns trennt / Lasst uns nicht verbittern / Auch wenn es kälter wird“, folgen positivere Zeilen.
Klar ist aber auch, Musik für „Regenbogen-Hippies“ (O-Ton Monchi), soll das hier nicht sein. Wer die jüngsten Pogrome in Israel mit der Teilnahme an Demos unterstützt, hat hier ebensowenig zu suchen wie Rechte. So „FSF“ macht politisch weiter den Rücken gerade.
Dabei kann die Band durchaus auch melodischer. „Bei diese eine Liebe“ kommt die Trompete von Max Bobzin gerade am ruhigeren Anfang besonders zur Geltung, ohne den Sound der Band zu verraten.

„Diese eine Liebe / Werd ich nie bereuen / Ja, diese eine Liebe / Auch wenn du mich enttäuschst.“
Feine Sahne Fischfilet enttäuscht hingegen auch mit den neuen Songs nicht. „Scheißegal, wir haben gelebt“, singt die Menge, als die Band „Wenn‘s morgen vorbei ist“ anstimmt, der Moshpit vor der Bühne Kreise dreht, während gleich mehre Fans durch die Menge surfen und Bengalos der Crew den Saal vernebeln. Dass die Vorgänger-Location am Kottbusser Tor vor zehn Jahren abgebrannt ist – so viel Ironie kann man nur wenigen Bands guten Gewissens durchgehen lassen. Monchis T-Shirt ist zu diesem Zeitpunkt schon lange klatschnass von den schäumenden Bieren, die er der kochenden Menge entgegen spuckt und wirft. „Bestes Bier in Plastikflaschen aus Mecklenburg-Vorpommern“, ruft Monchi. Abriss geglückt.
Während es nur eine Release-Konzert geben kann, läuft noch die Tour „Weil‘s jeden Tag brennt“. Fans haben etwa beim Zusatzkonzert am 18. in Leipzig oder zum Abschluss am 21. Dezember in Rostock noch Gelegenheit, Feine Sahne Fischfilet Live zu erleben.
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