Der Film „Sound of Freedom“ war der „geheime Sommerhit“ in den USA. Die Tatsache, dass er zeitweilig mehr Geld einspielte als „Indiana Jones 5“ wurde von amerikanischen Rechten als Sieg von „Konservativ“ über „Wokeness“ ausgelegt.

Setzt man das Boxoffice-Ergebnis von bislang 239 Millionen Dollar in ein Verhältnis zu den Produktionskosten von 14,5 Millionen, wird daraus gar einer der erfolgreichsten Independent-Filme der Geschichte. Ein Vergleich, der Liebhaber des Independent-Kino schmerzen muss, und das nicht nur, weil ein Teil der Einnahmen auf undurchsichtige Werbepraktiken zurückzuführen ist.

Kinderhandel, ein Lieblings-Sujet der evangelikalen Rechten in den USA n

Da der Film mit dem Thema Kinderhandel ein Lieblings-Sujet der evangelikalen Rechten in den USA aufgreift, gab es in diesen Kreisen sogenannte „Pay it forward“-Aktionen, in denen Kinobesucher dazu aufgefordert wurden, Tickets für die zu spenden, die es sich nicht leisten können. An der reinen Box-Office-Zahl lässt sich deshalb nur bedingt ablesen, wie viel Zuschauer den Film tatsächlich gesehen haben.

Wer sich entgegen all dieser ideologisch aufgeladenen Embleme einen gut gemachten Actionfilm erhofft, wird allerdings schwer enttäuscht. Von den ersten Minuten an, in denen der Film den alleinerziehenden Vater Roberto (José Zúñiga) zeigt, der recht arglos seine Kinder, die elfjährige Rocio und den sieben-jährigen Miguel, in die Hände einer ehemaligen Schönheitskönigin übergibt, die ihnen eine Zukunft als Models verspricht, wird jede aufkommende Spannung von Pathos erschlagen.

Der Star des Films geriet mit Verschwörungsäußerungen in die Schlagzeilen

Die Bösewichte lächeln hinterhältig, die Unschuld der Kinder wird in Zeitlupe unterstrichen, und eine unangenehm ins Kirchenchorale tendierende Filmmusik tut ihr Übriges. Wenn dann noch Jim Caviezel – selbst wiederholt mit Äußerungen aus der rechten Schwurbel- und Verschwörungsecke in die Schlagzeilen geraten – als der amerikanische Pädophilen-Jäger Tim Ballard seine Schmerzensmiene in die Kamera hält, hat sich jeder Suspense erledigt.

Die vermeintlich „wahre Geschichte“, auf der der Film beruht, ist so absehbar wie abgedroschen: dem blonden Home-Security-Agenten gelingt zuerst die Befreiung des kleinen Miguel, woraufhin er seinen Job aufgibt, um auf eigene Faust in den Tiefen des kolumbianischen Dschungels ganze Nester des Kinderhandels auszuheben und schließlich auch Rocio zu befreien.

Drama USA 2023, 131 min., von Alejandro Monteverde, mit Jim Caviezel, Bill Camp, Cristal Aparicio, Mira Survino