Zum 13. Mal startet am Freitag das Kurdische Filmfestival Berlin. Eröffnungsfilm ist die deutsch-kurdische Produktion „Im toten Winkel“, die in diesem Jahr auf der Berlinale Premiere feierte. Der Politthriller von Regisseurin Ayşe Polat spielt im Nordosten der Türkei und behandelt die Diskriminierung und Verfolgung kurdischer Menschen in einem spannenden Episodenfilm mit Mystery-Elementen, bei dem ein türkischer Geheimpolizist und dessen kleine Tochter im Zentrum stehen.
Regionaler Fokus ist in dieser Ausgabe jedoch Iran. Zum vierten und letzten Mal hebt das Festival damit eine der Gegenden Kurdistans hervor: Nach Bakur in der Türkei, Bashur im Nordirak und im vergangenen Jahr Rojava in Nordsyrien folgt nun der iranische Teil, Rojhelat. Elf iranisch-kurdische Filme sind im Fokus zu sehen.

Jin Jiyan Azadî – Proteste im Iran sind Thema beim Filmfestival
Dazu gehört der Kinderfilm und Klassiker „Schildkröten können fliegen“ (Babylon 7.10., 17:30 Uhr) von Bahman Ghobadi aus dem Jahr 2004, den Festivalleiter Hajo unbedingt empfiehlt. Ebenso den 2021 erschienen Dokumentarfilm „Holy Bread“, (FSK 11.10., 18 Uhr) in dem es um Menschen geht, die für ihren Lebensunterhalt gezwungen sind, unter Einsatz ihres Lebens Waren zwischen Irak und Iran zu schmuggeln. „Holy Bread“ läuft auf Kurdisch mit englischen Untertiteln.
Außerdem begleitet eine Ausstellung zu Jin Jiyan Azadî (Frau Leben Freiheit) – dem kurdischen Kampfspruch, der zum Symbol der Proteste im Iran wurde – das Festival. Im Kino Babylon in Mitte sind dort verschiedene Kunstwerke zu dem Thema sowie eine Performance der iranischen Künstlerin Sarina Panahide zu sehen.

Interview mit Roj Hajo: „Hinter der Grenze stecken Menschen mit Geschichten“
Kurdisches Kino hat keinen leichten Stand. Nicht nur gibt es kaum Fördermöglichkeiten für kurdische Filmemacher und -macherinnen, vielmehr begegnet ihnen Repression. Einen kurdischsprachigen Film in der Türkei zu finanzieren, ihn überhaupt zu veröffentlichen und zeigen zu können ist beinahe unmöglich. Umso mehr freut es Festivalleiter Roj Hajo, dass er unter anderem mit „Im toten Winkel“ (Babylon, 6.10., 19 Uhr und 10.10., 20:30 Uhr) und „Baghdad Messi“ (FSK 07.10., 18 Uhr) einige Neuerscheinungen von 2023 auf dem Festival zeigen kann.
Kurdisches Kino aus der Diaspora nimmt zu
Immer häufiger kommt kurdisches Kino aus der Diaspora. So auch der Film „Elaha“ der in Armenien gebornen Regisseurin Milena Aboyan, der ebenfalls auf der Berlinale lief. Der Abschlussfilm erzählt die Geschichte einer 22-jährigen Deutsch-Kurdin, die mit den Erwartungen ihrer Community gegenüber jungen Frauen kämpft. „Das ist toll, dass die Finanzierungsmöglichkeiten von Filmakademien für solche Projekte genutzt werden“, sagt Festivalleiter Hajo.
Zum Ende des Festival steigt dann noch die Abschlussparty am 11. Oktober in der Kreuzberger Fahimi Bar. Tickets zu den Filmen können online bei den Austragungsorten gekauft werden. Das sind das Babylon in Mitte, das FSK Kino und Movimento in Kreuzberg, das Sinema Transtopia im Wedding.


