Verzerrte Gitarrenlicks sind bei Rockkonzerten ein absolutes Muss. Aber beim Schlager? Wenn es nach Roland Kaiser und seiner fulminanten Band geht, auf jeden Fall. Beim Song „Sag ihm, dass ich dich liebe“ darf Gitarrist Jörg Weißelberg daher wahrlich alles geben. Die von Roland Kaiser besungene Dreiecksgeschichte, die zwischen großer Liebe und Trennungsschmerz changiert, bekommt dadurch musikalisch noch eine weitere Ebene. Man meint förmlich, die tiefe Trauer des Verlassenen zu hören. Und dass, obwohl der Schlager durchaus tanzbar ist. Ein äußerst trickreiches Arrangement, von denen es einige an diesem Abend gibt.

Gitarrenlicks und La-Ole-Welle: Rockiger Start ins Schlager-Konzert

Minuten bevor das erste von zwei ausverkauften Konzerten der „Alles O. K.!“-Tour startet, lassen La-Ola-Wellen die gesamte Waldbühne erbeben, während Survivors „Eye of the Tiger“ den Countdown einläutet. Da die Sonne langsam untergeht, sind die tausende von blinkenden Krönchen und Blumenkränze schon weithin sichtbar als Roland Kaiser mit seinen Musikern und Backgroundsängerinnen die Bühne entert. Und zwar mit „Es ist alles ok“. Also dem Lied, das gefühlt 20 Hit-Titel des Schlagerstars zitiert.

Der Song ist Programm, denn selbstredend performt der 71-Jährige seine zahlreichen Erfolge wie „Kurios“, „Stark“ oder „Dich zu lieben“. Bei „Südlich von hier“ sorgt die Bläser-Gruppe mit Posaunist Lisbel Acosta Abreu, Trompeter Oslen Ceballo Brian und Tina Tandler, die ein wunderbares Solo spielt für zusätzliche Power. Elegant im dunkelblauen Jackett zur hellen Hose und Weste findet Roland Kaiser, dass die drei sich sensationell bewegen. Ihm wurde allerdings vorab gesagt, er müsse nicht mittanzen. Als er gefragt hat, warum nicht, wurde ihm nur lapidar gesagt: „Guck dich an!“

Tanzen? Lieber nicht. Roland Kaiser bleibt bei beim Gesang, die Band übernimmt den Rest.
Tanzen? Lieber nicht. Roland Kaiser bleibt bei beim Gesang, die Band übernimmt den Rest.© Frank Embacher

Das Publikum nimmt und gibt: Riesen-Hit "Santa Maria" aus 22.000 Kehlen

Roland Kaiser nimmt es gelassen. Schließlich ist er es, den das Publikum frenetisch bejubelt, weil er jeden Song gesanglich in einen Treffer verwandelt. Obwohl er es zuweilen gar nicht müsste. Als die ersten Takte seines größten Hits „Santa Maria“ erklingen, erschallt das Lied aus über 22.000 Kehlen. Die Zuschauer übernehmen textlich mal eben das Zepter, bevor der Meister selbst wieder ran darf.

In der Waldbühne erinnert sich der gebürtige Berliner auch nur zu gern daran, dass der Sommer ihm seit Kindheitstagen die liebste Jahreszeit ist. Erst mit Freibad, Eiscreme und Fußball. In der Jugend indes wurde sein Leben deutlich heißer und die Drinks cooler. Passen dazu gibt es den Song „Viva l’amor“. Und die gesamte Arena tanzt mit. Bewegend hingegen wird es bei „Liebe kann uns retten“ aus der Feder von Peter Plate von Rosenstolz. Ein Song, der Hoffnung macht auf eine bessere Welt.