Das leuchtende Uranrot strahlt mit dem Blau- und Türkistönen sowie mit sattem Gelb um die Wette. Die klaren Formen der Keramiken zieren geometrisch-konstruktivistische und florale Dekors, die mal ins Abstrakte übergehen, mal mit humorvollen Details wie bewimperten Blüten aufwarten. Dafür war Margarete Heymann Loebenstein weltberühmt. 1923 gegründete sie mit ihrem ersten Ehemann Gustav Loebenstein die Haël-Werkstätten in Marwitz bei Velten. Startup würde man ihr erfolgreiches Unternehmen wohl nennen. Ihre markant designten, innovativen Keramiken fanden rasch Abnehmer in aller Welt. Von der Lausitz bis zur Fifth Avenue und darüber hinaus.
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Das Bröhan-Museum hat das 100-jährige Gründungsjubiläum zum Anlass genommen, um den beeindruckenden Arbeiten der 1899 in Köln geborenen jüdische Keramikerin und Unternehmerin die Ausstellung „Haël. Margarete Heymann-Loebenstein und ihre Werkstätten für künstlerische Keramik 1923–1934“ zu widmen. Darüber hinaus legt das Museum mit „Margarete Heymann-Loebenstein: Keramik für die Avantgarde“ (Hirmer Verlag, 224 Seiten, 39,90 Euro) die erste, opulent bebilderte Biografie der Ausnahmekünstlerin als Katalog zu Ausstellung vor.
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Gezeigt werden etwa 250 Keramiken, die zum Teil aus dem Besitz der Privatsammlung von Erhard Gerwien stammen. Egal, ob Schalen, Dosen, Tassen, Sets, Services oder Vasen: Die Objekte wirken auch heute noch äußerst modern, was am herausragenden Gespür Margarete Heymann-Loebensteins für Formen, Farben und Trends liegt. Mindestens ebenso innovativ war ihr Marketing mit einer Corporate Identity, also einem Logo-Design, einem stimmigen typographischen Konzept und einem perfekt fotografierten Produktkatalog. „Im Bereich der Keramik in der Weimarer Republik war sie die Königsklasse“, sagt Kuratorin Anna Grosskopf.

Studiert hat Margarete Heymann-Loebenstein ursprünglich Malerei. Sie wollte aber unbedingt in die Keramikwerkstatt des Bauhauses. Dort erstritt sie sich ein Probesemester, wurde danach aber abgelehnt. Walter Gropius vermerkte handschriftlich, man akzeptiere zurzeit keine weiteren Frauen dort. Er schlug die „Frauenabteilung“ vor, die Weberei oder Buchbinderei. Heymann Loebenstein ging im Zorn, demolierte ihr Zimmer.
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Dass sie keine Gebrauchskeramik machen wollte, unterstrich die Wahlberlinerin mit ihrem Verweis auf „künstlerische Keramik“. Tatsächlich war sie in den 1920er Jahren die einzige Keramikerin, die ihre Arbeiten in Herwarth Waldens avantgardistischer Galerie „Der Sturm“ neben prominenten Künstlern wie Wassily Kandinsky ausstellte.

Beruflich höchst erfolgreich, erlitt Margarete Heymann-Loebenstein privat herbe Schicksalsschläge. Erst verunglückte ihr Mann 1928 tödlich, dann starb ihr fünfjähriger Sohn 1933 bei einem tragischen Unfall. Im gleichen Jahr musste die Unternehmerin ihre Werkstätten wegen zunehmender Repressalien der Nazis stilllegen. 1934 verkaufte sie die Firma. Vermutlich unter Wert. Die Werkstätten wurden von Hedwig Bollhagen übernommen, während Heymann-Loebenstein nach England emigrierte. Flankiert von biographischem Archiv- und historischem Filmmaterial sowie Bildern aus den Produktkatalogen ist die Vitrinen-Schau ein Statement ihres außergewöhnlichen Könnens.
Bröhan-Museum, Schloßstr. 1a, Charlottenburg, Tel. 32 69 06 00, Di.-So. 10-18 Uhr. Bis 29. Oktober.


