Es ist doch eine sehr ungewöhnliche Veranstaltung: Beim „All Hands on Deck“-Konzert am Donnerstagabend ist nicht nur die Start-Uhrzeit um 18 Uhr außergewöhnlich früh. Auch der Ablauf erinnert dank der zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern, zu denen unter anderem Bausa, Ski Aggu und Revolverheld gehören, vielmehr an ein Festival. Aber schließlich ist das preisgekrönte Konzert eben auch keinen gewöhnlichen Umständen entsprungen: Der wohltätige Live-Jam wurde von den Musik-Managerinnen Salome Agyekum und Illy Korda während der Corona-Pandemie ins Leben gerufen. Mit dem Spenden-Konzert wollen sie die coronabedingt existenzbedrohte Musikbranche unterstützen. Inzwischen hat das Konzert vier Mal stattgefunden, sodass über 400.000 Euro Spendengelder gesammelt und an unterstützende Organisationen ausgezahlt werden konnten.
Das fünfte Konzert fand nun in Berlin statt und stand unter dem selben Stern: den Branchennachwuchs fördern. Das sei laut den Sängern HE/RO immer noch von großer Bedeutung, wie sie am Donnerstag backstage in einem Interview erklärten: „Die Leichtigkeit der Live-Kultur ist während der letzte Jahre leider verloren gegangen. Aber die wollen wir jetzt zurückgewinnen, und deswegen sind wir heute hier”.
Doch bevor das Zwillings-Duo, auch bekannt als „die Lochis”, die Fans mit seinen Songs begeistert, performen zahlreiche andere Künstlerinnen und Künstler jeden Genres für den gleichen Zweck. Geht es musikalisch am Anfang bei Sängerinnen wie Cosby und Annett Louisan noch ruhiger zu, schlägt die Stimmung spätestens bei „Here I Am“ von „Die Happy“ um: Die Gitarrenklänge und der schnelle Beat der 16-köpfigen "All Hands On Deck"-Band reißen das Publikum mit. Es wird getanzt, gesungen und gefeiert. Als kurz darauf Revolverheld ihre Klassiker „Freunde bleiben“ und „Lass uns gehen“ spielen, geht die Party weiter. „Gebt alles, unterstützt alle“, feuern die Moderatoren Steven Gätjen und Conchita Wurst das Publikum an. „Es geht hier nicht nur um die, die Musik machen, sondern um alle, die an den Shows beteiligt sind“, erklärt Gätjen. Auch HE/RO hatte kurz vor betont, dass die Menschen hinter den Kulissen genauso relevant seien wie die auf der Bühne. „Wir machen hier im Prinzip alle den gleichen Job, denn damit es ein schöner Abend wird, ist jeder und jede wichtig“.

Aus diesem Grund fanden während der Tage vor dem Konzert verschiedene Workshops statt, in denen der Nachwuchs einen Blick in die verschiedenen Bereiche hinter den Kulissen bekommen konnte. „Ich finde super, dass alle Künstler, die hier auftreten, das unterstützen. Deswegen ist umso blöder, wie wenig Zuschauer nur hier sind“, findet Laura F. Insgesamt seien laut Veranstalter rund 2000 Fans gekommen. In der Mercedes-Benz Arena, in die rund 17.000 Menschen passen, sieht das zwar nach gähnender Leere aus, aber die gute Stimmung mindert das nicht im geringsten. Bei dem Berliner Rapper Ski Aggu mit seinem verrückten Partyhit „Party Sahne“ geben die Fans noch einmal alles und beenden das viereinhalbstündige Konzert schließlich mit Bausas legendären Rap-Songs „Madonna“ und „Casanova“ im Ohr.
Im Kopf bleibt gleichzeitig jedoch der trostlose Anblick von einer so leeren Mercedes Benz Arena hängen. Es bleibt zu wünschen übrig, dass das unterstützenswerte Benefiz-Konzert nächstes Mal in einer passenderen Location stattfindet.

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