Staatsoper

„Winterreise“ mit dem Intendanten am Klavier

| Lesedauer: 3 Minuten
Mario-Felix Vogt
Staatsopern-Intendant Matthias Schulz begleitet am Flügel den Star-Bariton Michael Volle im Apollo-Saal. 

Staatsopern-Intendant Matthias Schulz begleitet am Flügel den Star-Bariton Michael Volle im Apollo-Saal. 

Foto: Peter Adamik

Bariton Michael Volle und Staatsopern-Intendant Matthias Schulz zogen im Apollo-Saal mit Schuberts „Winterreise“ das Publikum in ihren Bann.

Es gibt wohl kaum einen Liederzyklus von vergleichbarer Schwermut wie Franz Schuberts „Winterreise“. Er schrieb das Werk 1827, also ein Jahr vor seinem Tod. Die zentrale Figur in dem Zyklus ist der Wanderer, der sich nach einer Liebeserfahrung dazu entschließt, ohne Ziel und ohne Hoffnung hinaus in die kalte Winternacht zu begeben. Die Texte für die 24 Liedern stammen vom Dessauer Dichter Wilhelm Müller. Auf seinem Leidensweg ist der Wanderer zunächst starken Stimmungsgegensätzen ausgesetzt ist – von überschwänglicher Freude bis hin zu tiefer Verzweiflung, die Schubert durch häufige Wechsel von Dur und Moll unterstreicht. Nach und nach setzt sich jedoch eine düstere Stimmung durch. Dem Bariton Michael Volle gelang es im Apollo-Saal der Staatsoper am Montag, die vielfältigen Schattierungen in der „Winterreise“ einfühlsam nachzuzeichnen.

Normalerweise gestaltet der 63-jährige Starsänger, der auf der Opernbühne ebenso zuhause ist wie auf dem Konzertpodium, seine Liederabende mit dem renommierten Liedbegleiter Helmut Deutsch, doch für den Liederabend in der Staatsoper holte er kurzerhand den Staatsopern-Intendanten Matthias Schulz von seinem Schreibtisch ab, auf dass dieser den Klavierpart der „Winterreise“ übernehme. Denn Schulz ist nicht nur ein erfahrener Musikmanager, sondern auch ausgebildeter Konzertpianist. An der Staatsoper gab der Intendant damit jetzt sein spätes Debüt als Pianist.

Ein fabelhaftes Zusammenspiel der beiden Musiker

Das Ergebnis konnte sich hören lassen, denn Michael Volles Stimme ist enorm modulationsfähig, hinzu kommt eine wunderbar klare und deutliche Artikulation, die jederzeit für eine exzellente Textverständlichkeit sorgte. Des Weiteren war das Zusammenspiel beider Musiker fabelhaft. Sie schienen aus demselben Atem heraus zu musizieren, dabei waren die Vielzahl an Farben, die Michael Volle in seinen Gesang einbrachte, ebenso faszinierend wie Schulz’ Fähigkeit, sich dynamisch stets perfekt anzupassen. Wo das Klavier Bedeutendes zu spielen hatte, stellte er dies in den Vordergrund, um sich sofort wieder zurückzunehmen, wenn die Singstimme wieder die Hauptrolle übernahm.

Sicherlich war Schulz’ Spiel im Pianissimo nicht immer ganz so kontrolliert und rund im Ton wie jenes von hauptamtlichen Liedbegleitern wie Julius Drake oder Wolfram Rieger, doch wenn man bedenkt, dass der Intendant derzeit nur wenig Zeit zum Üben haben dürfte, vollbrachte er eine beachtliche Leistung. Besonders gut gelangen die Lieder „Wasserflut“ und „Auf dem Flusse“, hier beeindruckte insbesondere Volle durch besonders expressive Gestaltung, während Schulz im „Frühlingstraum“ durch schöne Pianissimo-Farben im Klavier glänzte. Auch „Der greise Kopf“ stach durch gestalterische Intelligenz und feinen Klangsinn positiv heraus. Das Publikum im ausverkauften Apollo-Saal dankte es den Künstlern mit reichlich Applaus, die gaben im Anschluss an das Konzert noch Autogramme.