Philharmonie

Philharmoniker: Musik mit betörendem Charme

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Felix Stephan
Iván Fischer am Pult der Berliner Philharmoniker.

Iván Fischer am Pult der Berliner Philharmoniker.

Foto: Stephan Rabold

Iván Fischer dirigiert Werke von Strauss und Mahler bei den Berliner Philharmonikern.

Wieder einmal ein reizvolles Programm der Philharmoniker: Richard Strauss‘ spätes Duett-Concertino, kombiniert mit Mahlers früher Erster Sinfonie. Zuerst die kleine Wiederentdeckung von 1947, dann der große Publikums-Hit von 1888. Wobei sich diese beiden Werke, so verschieden sie auch sein mögen, an diesem Abend auf faszinierende Weise berühren. Hier die Unbekümmertheit des altersweisen Strauss, der an Mozart und die klassische Sinfonia concertante anknüpft. Und dort die Unbekümmertheit des jungen Mahler, der Triviales neben Geniales setzt.

Gastdirigent Iván Fischer betont das Vorläufige, Abwartende in dieser Mahler-Sinfonie. Mit viel Ruhe und Geduld entfaltet er die Partitur. „Schleppend“ und „gemächlich“ sind nicht nur zwei Lieblingsangaben von Mahler. Es sind auch zwei Lieblingsangaben von Fischer. Selbst im stürmisch bewegten Finale spürt er himmlischen und irdischen Längen nach – was Vor- und Nachteile mit sich bringt. Es bleibt viel Zeit für Klangzauber und intime Versenkung. Die virtuosen Aufschwünge wirken dadurch umso packender. Doch die Musik als Ganzes tendiert dazu, in Episoden zu zerfallen.

Die Orchesteraufstellung ist in der Philharmonie problematisch

Problematisch wirkt auch Fischers Orchesteraufstellung in der Philharmonie. Eine Aufstellung, die man aus Fischers Berliner Konzerthaus-Zeiten kennt und die sonst kein anderer Dirigent von den Philharmonikern verlangt: die Kontrabässe in einer Reihe vor dem Schlagwerk, Trompeten, Posaunen und Tuba dafür sehr weit rechts – eine gefühlte Meile getrennt von den links postierten Hörnern. Für die Musiker wird das Zusammenspiel dadurch schwieriger. Und für das Publikum in Block A ergeben sich einige stressige Stereoeffekte bei den Fortissimo-Tutti-Stellen des Finales: Hörner nur auf dem linken Ohr, die grellen Trompeten nur auf dem rechten.

Anderseits sorgt die eindrucksvolle Dauerpräsenz der Kontrabässe in den ersten beiden Sätzen dafür, dass das berühmte Kontrabass-Solo danach schon fast logisch erscheint. Matthew McDonald spielt diese aparte Moll-Version des Bruder-Jakob-Kinderlieds ohne jeden Anflug von Ironie. Im Gegenteil: Er verleiht ihr Eleganz und Süße.

Ein elegantes Märchenduett mit Prinzessin und Schweinehirt

Eine Eleganz und Süße, die an Stefan Schweigerts Solo-Fagott in Strauss‘ Duett-Concertino vor der Pause erinnert. Ein liebenswürdiges, kleinformatiges Werk, das die Philharmoniker nach 28 Jahren mal wieder aus dem Notenarchiv geholt haben. Basierend auf dem Andersen-Märchen von der Prinzessin und dem Schweinehirten. Mit dem Klarinettisten Wenzel Fuchs als Prinzessin und dem Fagottisten Schweigert als Schweinehirten – und einer fantasievollen musikalischen Annäherung der beiden Philharmoniker-Kollegen.

Da ist die Klarinette, die nach und nach aus ihrem Elfenbein-Turm hinabklettert. Und da ist das Fagott, das sich emporschwingt, um die Klarinette auf halbem Wege abzupassen. Die Philharmoniker bieten hier betörenden Charme und spontanen Situationswitz. Nur routiniert durchgespielt dagegen wirkt zuvor Strauss‘ Zweite Walzerfolge aus dem „Rosenkavalier“ – schade.