„Fast jede meiner Zeilen handelt von negativen Seiten oder dem Dagegensein“, rappte Kummer und brachte am Freitagabend mit seinem melancholischen Dagegensein-Rap seine Fans in der Parkbühne Wuhlheide zum Ausflippen. Am Sonnabend, den 17. September, spielt er ein letztes Mal. Dann ist seine Tour „Bye, Bye Kummer“ und damit auch sein Soloprojekt Geschichte. Für das vorletzte Konzert strömten die Kummer-Fans zu der Berliner Open-Air-Bühne.

Um die Menge in Stimmung zu bringen, trat Rapperin Keke als Support-Act auf. Bevor Kummer auf die Bühne kam, tönte Lana Del Rays “Summertime Sadness” durch die Lautsprecher. Mit seinem Song “9010” erschien der Rapper endlich im Nebel. Breit grinsend begrüßte Kummer die Fans, wirkte fast etwas aufgeregt. “Das sieht relativ krass aus von hier oben. Ich freu mich so, dass ihr alle hier seid, auch wenn der kleine Herbst schon seine Fühler ausgestreckt hat", sagte er.

Seit 2019 rappte der Frontmann der Band „Kraftklub“ unter seinem Nachnamen „Kummer“. 2021 veröffentlichte er sein Soloalbum „Kiox“. Bereits im Dezember 2021 sollte das Konzert im Tempodrom stattfinden, wurde jedoch wegen der Corona-Pandemie verschoben. Nun wurde es nachgeholt.

Kummer in der Parkbühne Wuhlheide: Fans tanzen im Moshpit

Kummers Texte sind kritisch - selbstkritisch und sozialkritisch - und machen auf Missstände aufmerksam. In dem Song „Wie viel ist dein Outfit wert“ singt Kummer über Konsumverhalten und soziale Ungerechtigkeit: „Life ist super nice, da, wo man die Schuhe trägt. Life ist nicht so nice, da, wo man die Schuhe näht”. Doch trotz der inhaltschweren Texte brachte Kummer mit seinem Sprechgesang die Fans zum Feiern. Spätestens zu “Okay” wurde im Moshpit getanzt.

Auch Kummer selbst tanzte und hüpfte energiegeladen in orangener Bomberjacke, weißem T-Shirt, Jeans und Turnschuhen, erfüllte die eher schlicht gehaltene Bühne mit Leben. Bei “Aber nein” wurde Kummer von dem Rapper LGoony und Keke unterstützt. Auch die Berliner Rapperinnen Nina Chuba und Nura kamen für je einen Song auf die Bühne.

“Ein Song reicht”, “Randale” und “Chemie Chemie Ya”: Auch Songs seiner Band Kraftklub coverte Kummer an dem Septemberabend, was die Fans besonders freute. Zum Ende hin richtete Kummer emotionale Worte an die Menge, bevor er „Der Letzte Song (Alles Wird Gut)“ zusammen mit Fred Rabe von Giant Rooks zum Besten gab. Und während die Menge laut mitsang: “Alles wird gut, die Menschen sind schlecht und die Welt ist am Arsch. Aber alles wird gut, das System ist defekt, die Gesellschaft versagt, aber alles wird gut”, begann es in der Wuhlheide zu regnen.