Acht Tänzerinnen und Tänzer und die Neue Nationalgalerie: Am Mittwoch startete die Tanzperformance „Huddle“ zur Berlin Art Week. Bis Sonntag findet die Performance von 10-18 Uhr jeweils zur vollen Stunde statt. „Huddle“ ist eine Arbeit der US-amerikanischen Künstlerin Simone Forti aus dem Jahr 1961. Sie ist Teil der international einflussreichen Serie „Dance Constructions“, die in Manhattan uraufgeführt wurde.
Das Werk der Künstlerin, Choreographin und expressionistischen Malerin gilt als entscheidendes Werk in der Entwicklung der Konzeptkunst und Performance: „Ein Wendepunkt der zeitgenössischen Kunst“, sagt der Direktor der Neuen Nationalgalerie, Klaus Biesenbach. Das Werk kommt als Leihgabe aus der Sammlung des New Yorker Museum of Modern Art in die Neue Nationalgalerie ans Kulturforum.
Fließende und kontinuierliche Bewegungen
Dabei soll sich die Performance nicht etwa entwickeln, sondern wie eigenständig im Raum platzierte Skulpturen wahrgenommen werden. So bilden die acht Tänzerinnen und Tänzer eine Skulptur aus ihren Körpern. In Jeans, T-Shirt und barfuß klettern sie aneinander hoch und wieder herunter. Die Arme links und rechts auf den Schultern der Nebenperson, die Beine stabil im Ausfallschritt und die Kopfe zusammengesteckt, bilden sie einen Kreis. Daher auch der Name „Huddle“, was auf Deutsch so viel bedeutet wie „Haufen“.
Bei der Performance löst sich eine Person aus dem Kreis und beginnt den Menschen-Berg zu besteigen. Vom Knie der Nachbarperson auf die Schultern und über die Köpfe hinweg, gleitet die Person auf der anderen Seite wieder auf den Boden. Die Bewegungen sind stets fließend und kontinuierlich – und ohne jede Hektik. Sobald die Person wieder in den Kreis aufgenommen wird, löst sich eine andere. Das Ganze dauert 15 Minuten.
Einflussreiche Künstlerin der Minimal Art
„Simone Forti ist die wichtigste Künstlerin, von der Sie noch nie gehört haben“, so Biesenbach. Sie sei eine der einflussreichsten Künstlerinnen und Künstlern der sogenannten Minimal Art. 1938 floh Forti als Kind einer jüdischen Familie aus Italien über die Schweiz nach Los Angeles. Hier studierte sie auch später bei der Choreographin Anna Halprin.
Zu Zeiten der Entstehung von Performancekunst und der Minimal Art schloss Forti sich der Downtown-Kunstszene in New York an. Ihr Werk gilt als Vorläufer des Judson Dance Theatre der frühen 1960er-Jahre – hier experimentiert eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern mit Tanz. Sich selbst bezeichnet Forti als „Bewegungskünstlerin“. So entsprang diese Performance der mittlerweile 87-Jährigen aus dem Bedürfnis, das eigen körperliche Unbehagen zu nutzen und in Bewegungen umzusetzen.


