Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat ihr Eigentum an den 514 Benin-Bronzen komplett an Nigeria übertragen. Gleichzeitig sollen 168 dieser wertvollen Kunstobjekte als Leihgaben in Berlin bleiben. Einen entsprechenden Vertrag über die als koloniales Raubgut geltenden Objekte haben Stiftungspräsident Hermann Parzinger und Abba Isa Tijani, Generaldirektor der nigerianischen National Commission for Museums and Monuments (NCMM), am Donnerstag unterzeichnet.

Wobei man sich die Unterzeichnung nicht als Festakt vorstellen darf, sondern als zeitgleiche digitale Amtshandlung. Ein Statement von Abba Isa Tijani wurde am Nachmittag von Hermann Parzinger in der Villa von der Heydt per Video eingespielt. Alle Seiten in Politik und Stiftung scheinen zufrieden oder erleichtert zu sein. Ein jahrelanger, sehr komplexer Prozess hat sein Ende gefunden. Erste Objekte sollen noch in diesem Jahr nach Nigeria zurückgeführt werden.

Außenministerin Annalena Baerbock (l.) und Kulturstaatsministerin Claudia Roth (r..) unterzeichneten mit ihren nigerianischen Amtskollegen Kulturminister Lai Mohammed (l.) sowie Staatsminister für Auswärtige Angelegenheiten Zubairo Dada im Juli eine Absichtserklärung, die den Weg für die Eigentumsübertragung freimachte.
Außenministerin Annalena Baerbock (l.) und Kulturstaatsministerin Claudia Roth (r..) unterzeichneten mit ihren nigerianischen Amtskollegen Kulturminister Lai Mohammed (l.) sowie Staatsminister für Auswärtige Angelegenheiten Zubairo Dada im Juli eine Absichtserklärung, die den Weg für die Eigentumsübertragung freimachte. © epd | Rolf Zoellner

Bei den Benin-Bronzen handelt es sich um Werke, die als Folge der sogenannten Britischen Strafexpedition von 1897 nach Berlin kamen. Von der größten Rückgabe von Objekten mit kolonialem Hintergrund sprach Parzinger, damit sei „koloniales Unrecht anerkannt“. Die Vereinbarung mit Nigeria habe außerdem Modellcharakter. Er sieht darin „ein tragfähiges Fundament für langfristige und vielfältige Kooperationen in der Zukunft“.

Die Ausstellung im Humboldt-Forum wird sich verringern

Allerdings hatte das Berliner Ethnologische Museum andere Planungen für das Humboldt Forum, dessen letzter Teil Mitte September eröffnet wird. Ursprünglich sollten dort mehr als 200 der Kunstwerke zu sehen sein. Nun werden es in den zwei vorgesehenen Räumen noch etwa 40 Objekte sein, um die Bandbreite der höfischen Kunst Benins aufzuzeigen.

Im ersten Raum wird es ein originales Prunkstück im Zentrum geben, dazu eine Videoinstallation, in der zehn Akteure, die an dem Prozess mitgewirkt haben, berichten. Im zweiten Raum werden den rund 30 historischen Objekten zeitgenössischen Werke aus Benin gegenübergestellt. Einige wurden bereits angekauft. Die verbleibende Leerfläche nennt man jetzt Raum für Vermittlungsaktivitäten und Workshop.

Rund 1130 der einstigen Palast-Objekte sind in deutschen Museen

Die nach Nigeria zurückgegebenen Objekte sollen künftig in einem öffentlichen Pavillon untergebracht werden. Das Projekt werde vom Auswärtigen Amt unterstützt. Dass die Kunstobjekte nicht irgendwann einfach nur im Königspalast landen, kann niemand ausschließen. Darüber entscheide die nigerianische National Commission for Museums and Monuments. „Wir können keine Bedingungen stellen“, betonte Parzinger, weil es sich um einen Rückgabefall handele. Etwa 1130 der kunstvollen Stücke aus dem Palast des damaligen Königreichs Benin, das als Edo State heute zu Nigeria gehört, sind in rund 20 deutschen Museen zu finden.