Schlosspark Theater

Monsieur Claude kehrt in einer federleichten Komödie zurück

| Lesedauer: 3 Minuten
Ulrike Borowczyk
Monsieur Claude (Peter Bause) und André (Roberto Blanco)

Monsieur Claude (Peter Bause) und André (Roberto Blanco)

Foto: DERDEHMEL / Urbschat

In den Minenfeldern der interkulturellen Vorurteile: Philip Tiedemann inszeniert „Monsieur Claude und seine Töchter – Teil 2“

Eigentlich versucht es Monsieur Claude gerade mit Method-Writing. Wahlweise mit Knickerbocker oder seidigem Morgenmantel zur Grauhaar-Perücke, verwandelt er sich Tag für Tag an der Schreibmaschine in einen regionalen Dichter, dessen Namen außer ihm niemand kennt. Ein Projekt, dass zu Claudes Leidwesen auf keinerlei Gegenliebe stößt. Stattdessen scheucht in seine Frau Marie nach Paris. Ihr Auftrag: Claude soll die vier Schwiegersöhne dazu bewegen, in Frankreich zu bleiben. Madame möchte ihre Enkelkinder aufwachsen sehen. Keine leichte Aufgabe, wie Claude feststellt. Denn obwohl alle gut integriert sind, fühlt sich keiner der jungen Männer mehr wohl in Frankreich, weil ihre migrantische Herkunft immer Thema bleibt.

Die Multikulti-Familie Verneuil ist zurück und schlägt mit „Monsieur Claude seine Töchter – Teil 2“ ein neues Kapitel auf. Mit der umjubelten Premiere zeigt das Schlosspark Theater nun die Fortsetzung des Bühnenhits aus dem Jahr 2018 nach dem gleichnamigen Film. Wieder einmal stemmt das Haus damit als private Bühne ein ungewöhnlich großes Ensemble von 14 Schauspielern. Man muss kein Prophet sein, um den Erfolg des Stücks vorauszusagen. Teil 2 erhielt auf der Leinwand gemischte Kritiken. Philip Tiedemanns kurzweilige Inszenierung von Stefan Zimmermanns gelungener Bühnenadaption umschifft indes die Schwächen der Vorlage von Philippe de Chauveron und Guy Laurent geschickt. In knapp zwei Stunden entspinnt sich so die perfekte Wohlfühlkomödie. Mit der Botschaft, dass Rassismus überall in der Gesellschaft lauert, sich Vorurteile aber überwinden lassen.

Der Grantler und sein eigener Bockmist

Mit Ach und Krach hatte sich der konservative Patriarch in Teil 1 daran gewöhnt, dass seine vier Töchter keine Franzosen geheiratet haben. Jetzt muss ausgerechnet er integrieren. Dabei kommt ihm auch noch sein ewiger Konkurrent, Lauras Schwiegervater André, in die Quere. Schlagerstar Roberto Blanco gibt den afrikanischen Filou in seiner ersten Bühnenhauptrolle erfrischend augenzwinkernd. Der trumpft bei Claude mächtig auf. Seine Tochter heiratet nämlich einen Franzosen, katholisch und gutsituiert. Was André nicht weiß: Der zukünftige Schwiegersohn Nicolas heißt in Wahrheit Nicola.

Natürlich tappt Claude bei den familiären Verwicklungen wieder durch ein interkulturelles Minenfeld. Theater-Urgestein Peter Bause mimt den Grantler bravourös. Lässt ihn seine Vorurteile herauspoltern und gleichzeitig erkennen, welchen Bockmist er da verzapft. In der Spur gehalten wird er von seiner besseren Hälfte Marie. Gespielt von der wunderbaren Brigitte Grothum mit einer komödiantischen Lässigkeit, die ihresgleichen sucht.

Das erzkatholische Ehepaar geht sogar auf Weltreise, um die Verwandtschaft der Schwiegersöhne zu besuchen. Auf der rotierenden Drehbühne dauert der brüllend komische Trip nur wenige Minuten. Wobei für Claude und Marie ein fremdes Land schlimmer als das andere ist. Was Claude gegenüber der Familie auch laut ausposaunt. Und damit den Entschluss, Frankreich zu verlassen, verfestigt. Da haben die Töchter und Schwiegersöhne allerdings die Rechnung ohne Marie gemacht. Die hat auf endlosen Nordic-Walking-Runden einen Plan ausgeheckt, der es in sich hat.

Ein grandioses Ensemble in einer federleichten Komödie, bei der vor allem die drei Alt-Stars die Bühne rocken.

Schlosspark Theater, Schloßstr. 48, Steglitz, Tel. 78 95 66 71 00, bis 18.6., Di.-Sbd. 20 Uhr, So. um 18 Uhr, 19.6. um 16 20 Uhr