Konzert

Elegant und stimmungsvoll: Nils Landgren im Berliner Dom

| Lesedauer: 3 Minuten
Ulrike Borowczyk
„Mr. Red Yamaha“: Nils Landgren mit seiner roten Posaune.

„Mr. Red Yamaha“: Nils Landgren mit seiner roten Posaune.

Foto: Kai Bienert / © Kai Bienert

Acht Schweden verzaubern das Berliner Publikum: „Christmas With My Friends“

Natürlich ist Nils Landgren einer der berühmtesten Jazzmusiker Europas. Und natürlich ist es sensationell, wenn er auf seiner roten Posaune, die ihm den Spitznamen „Mr. Red Yamaha“ eingebracht hat, mit dem Traditional „Auld Lang Syne“ ein grandioses Solo zelebriert. Trotz der schwierigen, nachhallenden Akustik im ehrwürdigen Berliner Dom gelingt ihm das äußerst elegant und stimmungsvoll. Mit sattem Weihnachtsfeeling. Ohne rustikalen La-Montanara-Echo-Effekt. Festlich im roten Samtjackett mit Fliege gewandet, will der sympathische Schwede sein Weihnachtskonzert aber dennoch nicht allein bestreiten. Wäre ihm vermutlich auch zu langweilig. Deshalb hat er eine ganze Reihe von Freunden mitgebracht. Allesamt musikalische Weggefährten.

Gemeinsam verzaubern die acht Schweden das Berliner Publikum mit einem so entspannten wie besinnlichen Weihnachtskonzert, das den treffenden Titel „Christmas With My Friends“ trägt. Lange träumte Nils Landgren von einem etwas anderen musikalischen Weihnachtsfest. 2006 startete dann das Projekt mit seinen Freunden. Das ist seitdem in Schweden und Deutschland ein voller Erfolg. Frei von süßlichem Pathos und Glöckchen-Kitsch, mit einem schlanken, filigranen Klang, der Jazz, Soul, Gospel, Blues und Pop vereint. Sich traditionelle Melodien aneignet, aber auch mit virtuosen Soli vor kleinen improvisierten Ausflügen in den Jazz nicht zurückschreckt.

Die Stimmen der Sängerinnen stehen im Fokus

Die mittlerweile siebte Auflage des Weihnachtskonzerts musste 2020 aus bekannten Gründen verschoben werden. Daher ist die Sehnsucht nach Freundschaft und Zusammenhalt in diesem Jahr besonders groß. Für die Musiker und die Zuschauer ist es deshalb nun umso schöner, das Konzert zusammen zu erleben. Und mit den wunderschönen Songs den Alltag nachhaltig zu entschleunigen.

Gesanglich und instrumental auf Weltklasse-Niveau, lässt man sich von den Weihnachtssongs aus aller Welt nur zu gern einfangen. Im Fokus stehen dabei die Stimmen der Sängerinnen. Jede mit einem einzigartigen Timbre. Die fabelhafte Sharon Dyall etwa verzückt mit ihrer rauchigen Soulstimme und „Just Another Christmas Song“. Die nicht minder brillante Sopranistin Jeanette Köhn veredelt mit ihren Koloraturen den Klassiker „Tochter Zion“. Pianistin und Sängerin Ida Sand sorgt indes mit ihrem jazzigen Alt und „Merry Christmas Baby“ für gefühlige Bluestöne in Moll. Und Jessica Pilnäs verleiht dem Abend immer wieder ein herrlich fröhliche und swingende Atmosphäre.

Die Musiker stehen den Sängerinnen selbstredend in nichts nach. Wie Nils Landgren und sein bester, ältester Freund, der Gitarrist Johan Norberg, mit „Maybe This Christmas“ beweisen. Während Landgren seiner Posaune wie gewohnt vielseitige Töne von wild bis melancholisch entlockt, ist sein emotionaler Gesang einfach Balsam für die Seele. Hinzu kommt noch das facettenreiche Saxophon von Jonas Knutsson und der groovende Kontrabass von Clas Lassbo.

Einfach fantastisch schön, wie es den acht Musikern gelingt, die Lieder in immer neuen Klangfarben erstrahlen zu lassen. Nirgendwo sonst wird man so abwechslungsreich und lässig auf das Weihnachtsfest eingestimmt. Zu schade, dass es die nächste Auflage von „Christmas With My Friends“ erst wieder in zwei Jahren gibt.