Eine junge Frau beugt sich vornüber und zeigt dem Publikum ihren nackten Po, dazu wird ein krachend lauter Furz eingespielt. Das Höllenspektakel beginnt vergleichsweise harmlos. Ein Ballett von drei Toilettenhäuschen schließt sich an. Die Frau geht in jenes, das für die Hölle steht. „A Divine Comedy“ heißt die neue Performance von Florentina Holzinger, die zum Neustart der Volksbühne unter Intendant René Pollesch gehört.

Donnerstag
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Die „Göttliche Komödie“ des italienischen Dichters Dante Alighieri bietet mit ihren Wanderungen durch Hölle, Fegefeuer und Paradies alles, was dem Theaterabend einen lockeren weltliterarischen Rahmen und vor allem die Vorlage für eine trashige Neudeutung gibt. Auch wenn Dante von den 22 durchgehend nackten Performerinnen in den zwei Stunden sehr frei ausgelegt wird.
Blut auf der Leinwand
In der Rahmenhandlung reflektiert eine alte Tänzerin ihr Leben und bereitet sich auf den Tod vor. Für Besucher empfiehlt die Volksbühne das Mindestalter von 18 Jahren. Es wird etwa live mitgefilmt, wie einer Darstellerin auf der Bühne Blut abgenommen wird. Ihr Blut wird auf eine große Leinwand gespritzt, anschließend wälzt sich eine Gruppe von Performerinnen in Farben. Das Bild wird immer orgiastischer.
Das Happening wirkt mit seinen Sex-, Gewalt- und Schmerzfantasien insgesamt ziemlich retro. Die österreichische Choreographin Holzinger kann in Wien auf eine andere Tradition zurückgreifen, in Berlin war das Skandaltheater doch eher politisch motiviert. Aber in einer Zeit, in der sich unsere globalisierte Gesellschaft wieder mehr Sprach- und Diskursbegrenzungen auferlegt, bekommt Holzingers körperliche Tabusuche im Theater durchaus ein neues Gewicht.
Ein fallendes Auto zerstört den darunter stehenden Sarg
Aber es fällt schon schwer, „A Divine Comedy“ als emanzipatorisches Stück zu begreifen. Auch wenn Männerbilder auf unterhaltsame wie beeindruckende Weise unterlaufen werden. Zu martialisch hämmernder Musik hacken mehrere Frauen synchron Baumstämme durch. Eine Motocross-Fahrerin dreht waghalsig ihre lauten Runden. Immer wieder machen Stunts Staunen. Zwei Frauen rollen eine Treppe herunter. Autos schweben über der Bühne, eines zerquetscht einen darunter stehenden Sarg.
Demgegenüber steht ein streng durchchoreographiertes Nacktballett. Musik und Geräusche spielen eine wichtige Rolle. In einer Szene absolvieren vier junge sportliche Frauen Hürdenläufe in Richtung Publikum. An der Rampe bremsen sie ab. Florentina Holzinger spielt gekonnt mit Erwartungen, Wirklichkeit und Illusion. Sie lässt einen mehrfach ratlos zurück.
Und immer wieder gibt es etwas zu lachen. Die junge Performerin holt gegen Ende aus dem Toilettenhäuschen eine übergroße Klobürste, damit bekämpft sie riesige tanzende Skelette. Dann verletzt sie mit einer Kettensäge ihr Bein und rutscht blutend mit dem Gesicht in einen Fäkalienhaufen.
Das Publikum nimmt es gelassen. Am Ende gab es Applaus. Die weiteren Vorstellungen sind bereits ausverkauft.




