Nesthäkchen Rosie hat sich ihre Europareise ganz anders vorgestellt. Irgendwie spektakulärer. Eine Zeit, von der sie dachte, dass sie erwachsen wird. Stattdessen hat sie Heimweh, verliebt sich unglücklich und kehrt deshalb flugs nach Australien zu ihrer Familie zurück. Angekommen, wird sie mit Fürsorge und Vorwürfen überschüttet. Sofort ist klar, Familie Price ist von der anstrengenden Sorte. Auf den ersten Blick sieht alles ganz schmuck aus bei ihnen. Der Garten ist picobello und auch sonst scheinen sich alle ganz doll lieb zu haben. Doch schaut man näher hin, liegt viel Streit in der Luft, während Geheimnisse unheilvoll unter der Oberfläche gären.

Donnerstag
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Anatol Preissler hat Andrew Bovells Drama „Dinge, die ich sicher weiß“ schnörkellos und geradeaus im Schlosspark Theater inszeniert. Vorzüglich besetzt mit einem eindrücklich agierenden Ensemble. Ein Baum in der Mitte, ein Tisch, ein Schuppen und drei Rosenstöcke dazu auf einer Drehbühne. Mehr braucht es nicht, damit sich die turbulente Familiengeschichte entspinnt. Dafür gab es bei der Premiere Standing Ovations. Ein Wellmade Play, bei dem sich die Katastrophe bereits zu Beginn andeutet. Wen es aus der Familie Price trifft, ist noch unklar in der ersten Szene. Doch die Nachricht, die Vater Bob erwartet, wenn er den Telefonhörer abnimmt, wird keine gute sein.
Bevor es so weit ist, erlebt man in einer Rückblende das letzte Jahr der Familie Price. Rosie (Helen Barke) rahmt die Geschichte ein, indem sie all die Dinge aufzählt, die sie sicher weiß. Etwa, dass sie ihren eigenen Weg finden muss. Was Mutter Fran gar nicht passt. Am liebsten würde sie ihren Kindern diktieren, was das beste für sie ist. Maria Hartmann spielt Fran fulminant. Fast schizophren zwischen der unbedingten Liebe zu ihren Kindern und einer giftigen Bösartigkeit. Übergriffig, aufbrausend, herrisch. Vielleicht wird man so, wenn man einen Haushalt managt und als Krankenschwester Nachtschichten schrubbt. Für Fran steht nicht das eigene Glück, sondern die Pflichterfüllung an erster Stelle.
Unverbrüchlich an ihrer Seite ist Bob, den Heinrich Schafmeister liebenswürdig schusselig und trotzdem sehr bestimmt gibt. Das emotionale Rückgrat der Familie. Was dringend nötig ist. Denn Pip (Annika Martens) will beruflich nach Vancouver und Mann und Kinder verlassen. Worüber Fran erbost ist. Mindestens genauso heftig reagiert sie auf das Geständnis von Sohn Mark (Tilmar Kuhn), der in Sidney als Mia leben möchte. Dann ist da noch Sohn Ben (Johannes Hallervorden), der die Bank, für die er arbeitet, um viel Geld betrogen hat, was aufzufliegen droht.
In der Not rufen sie alle nach den Eltern. Man spürt die Kluft der Generationen. Die Hoffnungen der Eltern für die Zukunft ihrer Kinder erfüllen sich nicht. Denn die Realität sieht anders aus. Eingebunden in ein komplexes Familiengeflecht, sind es vielleicht ein paar Schicksalsschläge zu viel an diesem melancholisch-humorvollen Abend. Doch die Schauspieler verleihen der Familiengeschichte eine nachgerade schmerzhafte Authentizität, so dass man sich in den Figuren immer wieder selbst erkennt.
Schlosspark Theater, Schloßstr. 48, Steglitz. Tel. 78 95 66 71 00, Vorstellungen bis 17.10., Di.-Sbd. 20 Uhr, So. 16 Uhr. Informationen unter www.schlossparktheater.de




