Fernsehen

Programmreform: RBB kündigt 75 freien Mitarbeitern

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Blick auf das Gebäude des rbb Fernsehzentrums.

Blick auf das Gebäude des rbb Fernsehzentrums.

Foto: dpa

Der Berliner Journalistenverband kritisiert die Maßnahmen. Die Mitarbeiter fühlen sich "verarscht".

Berlin. Das Vorabendprogramm des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) wird grundlegend geändert. Vor allem kostengünstiger, so scheint es, soll die Produktion werden. Die Sendungen „zibb“ und „rbb um 6“ haben zum Jahresende ausgedient. Und die Mitarbeiter, die die Formate über Jahre produziert und mit Beiträgen beliefert haben, offenbar auch. Rund 75 freie Mitarbeiter hätten in den vergangenen Tagen die Kündigung ihrer bisherigen Verträge erhalten, teilte der Berliner Journalistenverband DJV Berlin-JVBB mit.

Der Verbandsvorsitzende Steffen Grimberg kritisierte, an die Folgen für die Beschäftigten sei nicht gedacht worden. Einer gemeinsamen Erklärung der Mitarbeitervertretungen zufolge sind durch die Programmentscheidung indirekt auch freie Kameraleute, Cutter und Techniker vor allem am Standort Potsdam betroffen. „Welche Beschäftigungsmöglichkeiten gedenkt der RBB denjenigen anzubieten, die zum Jahresende ihre Arbeit bei diesen Sendungen verlieren?“, fragte Grimberg. RBB-Sprecher Justus Demmer erklärte auf Anfrage: „Wir sprechen natürlich mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die durch die Umstellung die bisher gewohnten Redaktionen verlieren. Das haben wir intern auch so angekündigt, und wir sind zuversichtlich, dass wir gute Lösungen finden. Wir stellen den Sendebetrieb ja nicht ein, sondern fangen etwas Neues an.“

RBB-Kündigungen: Im Lauf der Woche sind weitere Gespräche geplant

Nach Informationen der Berliner Morgenpost stehen im Laufe dieser Woche noch weitere Gespräche und Konferenzen mit freien Mitarbeitern und Verantwortlichen an. Der RBB plant, werktags um 18 Uhr künftig mit einer 15-minütigen Nachrichtenausgabe von „RBB24“ zu beginnen. Dann soll ein neu konzipiertes Ratgeber-Format folgen. Zwischen 18.45 und 19.30 Uhr soll es ab dem kommenden Jahr ein live produziertes Talk-Format geben, in dem Menschen aus Berlin und Brandenburg diskutieren. Um 19.30 Uhr folgen die Regionalmagazine „Brandenburg Aktuell“ und „Abendschau“ (für Berlin). Diese Sendungen bleiben unverändert.

Mit den nun auslaufenden Formaten „zibb“ und „rbb um 6“ stehen viele Mitarbeiter mitten in der Corona-Pandemie vor dem Nichts. Beide Sendungen verfügen über einen großen Stamm an freien Autoren und Redakteuren. "Wir wurden letzten Montag erst informiert und gleich am nächsten Tag gingen schon die Kündigungen in die Post" sagte eine betroffene Mitarbeiterin der Berliner Morgenpost. "Es wurden Leute von außen geholt, die jetzt den Kehraus machen sollen. Die haben keine Bindung zu den Mitarbeitern, den Sendungen oder den Formaten." Die Sendung "zibb" bestünde im Grunde nur aus Beiträgen freier Mitarbeiter, Inhalte produzierende Festangestellte gebe es nicht. "Wir waren auch immer Spielwiese und Probenfeld für neue Formate und Ideen. Talks, wie sie jetzt geplant sind, sind zwar billiger zu produzieren. Aber die Quoten zeigen: Die Leute wollen Beiträge und nicht noch mehr Talk-Gelaber. Wir fühlen uns verarscht. "zibb" ist als Marke über lange Zeit mühsam entstanden und eingeführt worden und ist jetzt sehr bekannt und beliebt." Das Ende der Sendung ist dennoch beschlossene Sache.