TV-Kritik

„Tod von Freunden“: Ein Juwel im Spätprogramm versteckt

| Lesedauer: 3 Minuten
Noch ist die Welt in Ordnung: Sabine  (Katharina Schüttler, M.) und Bernd (Jan Josef Liefers, l.) mit ihren Freunden.

Noch ist die Welt in Ordnung: Sabine (Katharina Schüttler, M.) und Bernd (Jan Josef Liefers, l.) mit ihren Freunden.

Foto: ZDF und Letterbox / Thorsten Jander

In Friedemann Fromms Mehrteiler „Tod von Freunden“ wird ein traumatisches Ereignis immer wieder aus anderen Perspektiven beleuchtet.

Welcher Schmerz ist schrecklicher als der Tod des eigenen Kindes? Von diesem traumatischen Verlust handelt der Achtteiler „Tod von Freunden“, den das ZDF ab 7. Februar in vier wöchentlichen Doppelfolgen zeigt. Ein außergewöhnliches Format, das man keineswegs verpassen sollte. Damit beweist das Zweite, dass es nicht nur, wie ja gern gespottet wird, der Haussender für Senioren ist, sondern mit neuen Serienformaten der Streamingkonkurrenz durchaus mithalten kann.

Die Miniserie handelt von acht besten Freunden. Zwei Ehepaare haben sich auf einer winzigen Insel in der Flensburger Förde ein kleines Elysium aufgebaut. Die Deutsche Sabine Küster (Katharina Schüttler) und der Däne Jakob Jensen (Thure Lindhardt) kennen sich seit der Kindheit, ihre Ehepartner Bernd Küster (Jan Josef Liefers) und Charlie Jensen (Lene Maria Christensen) betreiben ein Architektenbüro zusammen. Und auch ihre vier jugendlichen Kinder sind ganz eng miteinander. Doch als bei einem Segeltörn einer der Küster-Söhne über Bord geht, zerbricht das Idyll jäh. Alle geben sich gegenseitig die Schuld, alle fühlen sich auch selbst schuldig.

Immer wieder sieht man das Unglück aufs Neue. Jedes Mal aber sieht man das Drama aus dem Blickwinkel eines anderen. Das erinnert an einen anderen großen ZDF-Erfolg, den Sechsteiler „Tod eines Schülers“, der vor genau 40 Jahren ausgestrahlt wurde und den Suizid eines Jugendlichen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtete.

Wogen, die sich zum Gefühls-Tsunami aufbauen

„Tod von Freunden“ geht aber noch ein großes Stück weiter. Faszinierend ist nicht nur, dass jede Folge aus einer anderen Perspektive gezeigt wird - und entsprechend anderen Kameraeinstellungen. Jede Folge erhält auch eine etwas andere, eigene Bildästhetik, die die Figur charakterisiert, die gerade im Mittelpunkt steht. Und: Mit jeder Folge wird noch ein anderes Drama aufgetan. Es zeigt sich, dass die Kinder Drogenprobleme haben und die Eltern an Krisen und Krankheiten leiden – und Schatten der Vergangenheit, die man mit der Insel-Idylle nicht verdrängen konnte. Jeder wird so von seinen eigenen Problemen erdrückt, dass er die anderen gar nicht wahrnimmt. Und: Mit jeder Folge gehen die Dramen weiter, auf die nächste Katastrophe zu. Lauter Wogen, die sich zu einem Gefühls-Tsunami aufbauen.

Mehr zum Thema: Interview mit Jan Josef Liefers

Grimmepreisträger Friedemann Fromm, der so erfolgreiche Serien wie „Weissensee“ und „Die Wölfe“ entwickelte, hat sich mit diesem Achtteiler noch einmal selbst übertroffen. „Tod von Freunden“ wartet nicht nur mit einem Spitzencast auf, der eindringlich spielt, und mit immer neuen überraschenden Wendungen – zugleich wird hier auch sehr innovativ mit erzählerischen Mitteln gespielt.

Vor so viel Wagemut scheint das ZDF dann aber doch zurückgeschreckt zu sein. Der Sender zeigt sein geschliffenes Juwel nicht etwa zur Hauptsendezeit, sondern versteckt es im Spätprogramm. „Tod von Freunden“ entwickelt aber einen solchen Sog, dass man so viele Folge wie möglich schauen möchte. Und dann am besten gleich die Mediathek nutzt. Da kann man ab 7. Februar (10 Uhr) schon sämtliche Folgen abrufen.

„Tod von Freunden“: ZDF, ab 7. Februar an vier Sonntagen, je 22.15 Uhr.