Theater in Berlin

Anne Lenk mit Friedrich-Luft-Preis ausgezeichnet

Die Regisseurin erhielt die Auszeichnung für ihr Stück „Menschenfeind“ am Deutschen Theater.

Regisseurin Anne Lenk wird von Morgenpost-Kultur-Ressortchef Felix Müller (r.) und Laudator Ernst Elitz der Friedrich Luft Preis 2020 überreicht.

Regisseurin Anne Lenk wird von Morgenpost-Kultur-Ressortchef Felix Müller (r.) und Laudator Ernst Elitz der Friedrich Luft Preis 2020 überreicht.

Foto: Jörg Krauthöfer

Der Friedrich-Luft-Preis, benannt nach dem Theaterkritiker Friedrich Luft, wird von der Berliner Morgenpost seit 1992 für die Regie der besten Theateraufführung in Berlin und Potsdam vergeben – in Zukunft zusammen mit dem neuen Kooperationspartner Deutschlandfunk Kultur. Am Sonntagabend erhielt Anne Lenk für ihre Inszenierung „Der Menschenfeind“ den Preis. Wir dokumentieren die Laudatio von Ernst Elitz, dem ersten Intendanten des Deutschlandradios.

Es waren nur sechs Worte und ein Ausrufezeichen, die ich kurz nach der Premiere dieser Inszenierung an die Jury des Friedrich-Luft-Preises mailte: „Gut gereimt, gut gespielt, Luftpreis verdient!“ - Aber das ist noch nicht die ganze Laudatio.

Es gab im Jahr 2019 – dem Jahr vor dem Corona-Unwetter – durchaus noch andere preisverdächtige Inszenierungen an den Berliner Bühnen. Aber letztendlich entschieden wir uns für dieses Stück: Die Inszenierung des „Menschenfeindes“ am Deutschen Theater, Regie Anne Lenk, eine eindrucksvolle Leistung des Ensembles und – was besonders hervorgehoben werden muss – mit der Übersetzung dieses vor 350 Jahren entstandenen Stücks in „gereimten Versen“ von Jürgen Gosch und Wolfgang Wiens.

Diese Textfassung ist ein Beweis dafür, dass sich durch diese sonst so angestaubt erscheinende literarische Formsprache Witz und Tiefsinn auf die Bühne bringen lassen, ohne Anbiederung an unseren Alltagsjargon. Eine super Vorlage also für das spielfreudige Ensemble. So wurde Molière in Text und Spiel taufrisch.

Was uns besonders beeindruckte: Durch die bewusste Konzentration auf Sprache und präzise Charakterzeichnung lässt sich auch ohne Auftrumpfen der Bühnenmaschinerie und ohne das Dauerabspielen der Lieblingssongs von virilen Regisseuren mitreißendes, modernes Theater machen. Es ist kein Zufall, dass es gerade eine Frau ist, die dieses Stück so spartanisch, konzentriert und voller Leichtigkeit inszeniert und damit intelligent in die Gegenwart holt.

In der Theatergeschichte sind 350 Jahre keine Zeit. Célimène war schon damals eine moderne Frau, die die Zwänge eines prüden Bürgertums abwarf und ihre Freiheit entdeckte. Und Alceste, der verkniffe Ichling, dem es im Grunde nur um sich und nicht um die hehre „Wahrheit“ geht, ist auch ein nerviger Typ von heute. Schauen Sie sich nur um, wenn sie den Zauber des Theaters hinter sich gelassen und wieder im Alltag angekommen sind.

Friedrich Luft, der Namensgeber dieses Preises, den die Berliner Morgenpost und Deutschlandfunk Kultur künftig gemeinsam verleihen, dürfte mit dieser Jury-Entscheidung auch zufrieden sein. Denn sein Maßstab war: „Ein gelungenes Spiel erhebt und vergnügt“. Und er hätte über diesen Abend in seiner Radio-Kritik auch sagen können: „Ich habe mich vergnügt wie Bolle!“ - und: „Es war ein ästhetischer Genuss!“ - Danke liebes Ensemble!