Filmpreis

Diese zehn deutschen Filme gehen ins Rennen um den Oscar

Später als üblich berät eine Jury, welcher deutsche Film Oscar-Potenzial hat Die Kandidaten sind diesmal sehr jung. Und sehr politisch.

Alfred Döblins Berlin-Roman in die heutige Flüchtlingskrise versetzt: Burhan Qurbanis „Berlin Alexanderplatz“.

Alfred Döblins Berlin-Roman in die heutige Flüchtlingskrise versetzt: Burhan Qurbanis „Berlin Alexanderplatz“.

Foto: EOne

Nicht wenige Cineasten fragen sich ja, ob es nächstes Jahr überhaupt eine Oscar-Verleihung gibt. Wo doch so wenige US-amerikanische Filme starten. Weil die großen Studios aus Angst, dass wegen Corona nicht genug Leute ins Kino kommen, immer mehr Titel Monat um Monat verschieben. Das dürre Angebot hat immerhin einen Vorteil: dass in den deutschen Kinos mehr Arthouse-Produktionen und vor allem auch mehr deutsche Filme Aufmerksamkeit erlangen, die sonst gern von der Hollywood-Konkurrenz verdrängt werden.

Normalerweise wird ja schon im August verhandelt, welcher Film für Deutschland ins Rennen um den Oscar für den internationalen Film geht. In Corona-Zeiten hat das nun etwas länger gedauert. Am Freitag hat German Films, die Auslandsvertretung des deutschen Films, nun zehn Kandidaten genannt, die sich für das Oscar-Rennen beworben haben. Um jene Kategorie, die bis vor Kurzem noch Bester fremdsprachiger Film hieß. Bis Hollywoods Filmakademie von Fremde nichts mehr wissen wollte.

Dazu zählen zwei renommierte Buchverfilmungen: Burhan Qurbanis gefeierte Neuverfilmung „Berlin Alexanderplatz“, die den alten Döblin-Stoff in die Flüchtlingskrise unserer Zeit verlegt, und „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“, Caroline Links gefühlvolle Verfilmung von Judith Kerrs Exilgeschichte.

Es ist ein sehr politisches Jahr

Außerdem Christian Petzolds Märchenneuauflage „Undine“, der auf der Berlinale triumphierte, und Julia von Heinz’ Antifa-Drama „Und morgen die ganze Welt“, der auf den Filmfestspielen von Venedig gefeiert wurde.

Es ist ein sehr politisches Jahr. Das zeigt sich auch an „Curveball“, in dem Johannes Naber auch die deutsche Mitschuld am Irakkrieg aufzeigt. Es zeigt sich an Dror Zahavis „Crescendo – #makemusicnotwar“, wo es um die Versöhnung israelischer und palästinensischer Musiker ausgerechnet auf deutschem Boden geht. Und an Damir Lukacevics Drama „Ein nasser Hund“ über einen Schüler, der seine jüdische Herkunft verschweigt, um Anschluss an eine muslimische Gang zu finden.

Eher weniger Chancen dürfte, auch wenn der Schluss in den USA spielt, Philipp Stölzls Udo-Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York“ haben. Ebenso wie der Zeichentrickfilm „Fritzi - Eine Wendewundergeschichte“, trotz dessen Mauerfall-Thematik. Und auch Oskar Roehlers jüngst angelaufenes Fassbinder-Biopic „Enfant terrible“ ist wohl doch zu insiderisch für den internationalen Markt.

Am 28. Oktober wird der Sieger bekannt gegeben

Caroline Link hat schon einen Oscar zuhause stehen und war schon mehrfach im Oscar-Rennen. Petzold und Qurbani haben für ihre Filme bereits mehrere Preise gewonnen. Alle anderen Mitbewerber sind eher jung und neu auf diesem Gebiet.

Wie gewohnt wird der deutsche Kandidat von einer unabhängigen Fachjury gekürt, Vertreter aus acht verschiedenen Filmverbänden und -institutionen kommen dafür am 27. und 28. Oktober in München zusammen. Ihre Kür ist dann aber nur ein Etappensieg. Welche fünf Bewerber aus allen Filmnationen wirklich ins finale Rennen um den Oscar gehen, darüber entscheidet Hollywoods Filmakademie am 5. Februar 2021 schon selbst. Die Oscar-Verleihung findet spät wie lange nicht, am 25. April statt. Da darf man dann auch auf mildere Grade und weniger Corona-Fälle hoffen.