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„Astronaut“: Opa will ins All

„Astronaut“ ist eine schöne Reflexion über unseren Umgang mit älteren Menschen. Und eine schöne Altersrolle für Richard Dreyfuss.

Ein Mann will nach oben. Und so könnte das aussehen: Der 75-jährige Angus (Richard Dreyfuss) mit Raumfahrerhelm.

Ein Mann will nach oben. Und so könnte das aussehen: Der 75-jährige Angus (Richard Dreyfuss) mit Raumfahrerhelm.

Foto: Jets Filmverleih

Schon seit Urzeiten geht der Blick des Menschen nach oben. Vielleicht zeichnet ihn das überhaupt vor allen anderen Lebewesen aus: dass er in die Sterne guckt. Um eine Ahnung von der Unendlichkeit zu bekommen. Und zugleich von der eigenen Sterblichkeit.

Wie unzählige andere Hobby-Astronomen überall auf der Welt schaut im Film „Astronaut“ auch der 75-jährige Rentner Angus durch sein Teleskop in den nächtlichen Himmel. Wünscht sich aber noch aus einem anderen Grund dahin: weil seine Frau kürzlich gestorben ist. Und er selbst an einem schwachen Herzen leidet. Er grüßt seine Rosie da oben. Und hofft, ihr bald nachzufolgen.

„Astronaut“: der Trailer zum Film

Ein Mann will nach oben. Das meint einmal nicht den Wunsch nach Aufstieg und Karriere. Aber plötzlich könnte dieser Wunschtraum sich ganz real erfüllen. Ein Milliardär (Colm Feore), der nicht von ungefähr an Elon Musk erinnert, plant das erste zivile Raumfahrtprogramm. Ein Luxus, den sich kein Normalsterblicher leisten könnte. Doch der letzte freie Platz soll per Lotterie ausgelost werden.

Bisschen Schummeln für die Bewerbung

Da regt sich plötzlich ein neuer Lebensgeist in Angus (Richard Dreyfuss). Auf Erden scheint ja kein Platz mehr für ihn zu sein. Nach dem Tod seiner Frau wird sein Haus verkauft, er selbst muss zur Tochter ziehen, was den Schwiegersohn aber nervt. So wird er in ein Seniorenstift abgeschoben. Sehr zur Bestürzung des Enkelsohns Barney (Richie Lawrence), dem der Opa wie ein Vater ist.

Barney erzählt Angus erst von der Raumfahrt-Lotterie. Und überredet ihn, sich zu bewerben. Dafür muss man ja nur ein bisschen bei der Altersangabe schummeln. Wir verraten sicher nicht zu viel, wenn wir hier anmerken, dass der Senior tatsächlich in die engere Wahl kommt. Die Kandidaten müssen sich nun einem TV-Voting stellen. Und das wird zum eigentlichen Thrill: wie man das angeht, ohne dass der argwöhnische Schwiegersohn oder die penible Heimleitung davon etwas spitzkriegt.

Ein leises Kammerspiel, das ans Herz wächst

Opas im All: Das kennen wir schon aus Clint Eastwoods herrlicher Komödie „Space Cowboys“ vor 20 Jahren. Da wurden vier rostige Rentner ins All geschossen, um eine Raumstation zu reparieren, deren Technik so überaltert war, dass sie sonst keiner mehr kannte. Das späte Regiedebüt der 59-jährigen kanadischen Schauspielerin Shelagh McLeod schießt nicht ganz so hoch hinaus. „Astronaut“ ist ein intimes Familiendrama, eine sensible Reflexion über das Älterwerden. Und darüber, wie wir mit unseren älteren Angehörigen umgehen – und mit deren Wissen und Erfahrungsschatz.

Denn Angus war einmal Straßenbauingenieur. Und ein kurzer Blick auf die Startbahn lässt ihn daran zweifeln, dass der Boden dem immensen Druck eines Raumschiffs stand halten wird. Wie aber verschafft man sich als anfälliger Greis Gehör? Kann ein Einzelner ein solch megateures Unternehmen überhaupt stoppen? Das ist der Dreh- und Angelpunkt des Films.

Am Ende spielen auch Esel eine Rolle

Kein großes Science-Fiction Epos also mit spektakulären Effekten. Sondern ein leises Kammerspiel, das einem umso mehr ans Herz wächst. Vor allem, weil Richard Dreyfuss hier noch mal eine große Altersrolle bekommt. Und seinen ganzen Star-Nimbus in die Waagschale wirft. So wie sein Angus sich in den 70er-Jahren schon einmal für ein Raumfahrtprojekt beworben hat, so hat Dreyfuss unvergessen in Steven Spielbergs 70er-Epos „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ das Wagnis auf sich genommen, als Zivilist den Gang ins Weltall anzutreten.

Dreyfuss in dieser Rolle, das ist nicht nur ein echter Besetzung-Coup, der ganze Film lebt davon. Der Alt-Star knüpft damit noch einmal an seine frühen Erfolgsjahre an. Er tröstet auch über manch kleine Schwäche dieses Debüts hinweg. Und dann ist dies der erste Astronautenfilm, in dem friedlich grasende Esel eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Auch das nimmt sehr für dieses kleine, feine Drama ein.

Tragikomödie USA 2019 96 min.,von Shelagh McLeod, mit Richard Dreyfuss, Lyriq Bent, Krista Bridgeseek