Porträt

Johanna Bantzer: „Eine Königin ist immer öffentlich“

Was Lady Di und Klytaimnestra verbindet: Schauspielerin Johanna Bantzer spricht über „Die Orestie“ in der Volksbühne.

Schauspielerin Johanna Bantzer im Foyer der Berliner Volksbühne.

Schauspielerin Johanna Bantzer im Foyer der Berliner Volksbühne.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Mit der Antike hat es die Volksbühne in der Übergangsintendanz von Klaus Dörr. „Die Orestie“ nach Aischylos erlebt an diesem Donnerstag ihre Premiere. „Der Ursprungsgedanke auch von Thorleifur Örn Arnarsson war, dass wir zurückgehen in die Antike, in jene Zeit, von der gesagt wird, dass dort die Ursprünge der Demokratie lagen“, sagt Schauspielerin Johanna Bantzer: „Wenn man am Ende die Steinchen zusammensetzt, ist es wirklich ein brutales Stück.“

Das Team um den isländischen Opern- und Theaterregisseur hat sich offenbar viele Gedanken um eine aktuelle Deutung des Stoffes gemacht. „Wir haben viel darüber gesprochen, dass die Sekundärliteratur immer behauptet, ,Die Orestie’ sei eine Parabel über die Demokratie. Aber aus heutiger Sicht möchten wir eine andere Übersetzung finden, denn die Frage der Demokratie hat sich gerade in den letzten Jahren wirklich verändert.“

Auch in der „Odyssee“ spielte Johanna Bantzer eine Königin

Bei unserem Gespräch im Roten Salon der Volksbühne, das nur wenige Tage vor der Premiere stattfindet, gibt es sogar noch Ungeklärtes. „Wir liegen gut in der Zeit“, sagt die Schauspielerin. „Aber für eine entscheidende Frage gibt es noch zwei, drei Versionen, die wir noch diskutieren müssen.“

Johanna Bantzer spielt die Klytaimnestra, also wieder einmal die Königin. Bereits im vergangenen Jahr hatte sie in Thorleifur Örn Arnarssons „Odyssee“ mitgespielt.

„Das sind ähnliche Grundsituationen:. Der Mann kehrt aus dem Krieg zurück, aber die Frauen verhalten sich ganz unterschiedlich dazu: Penelope drückt ihren Mann ans Herz, Klytaimnestra macht das nicht. Diese Frauen waren während der Kriegszeit an der Macht. Trotzdem werden sie in den antiken Tragödien nur als eifersüchtige Ehefrauen dargestellt. Es ist wenig überliefert, wie die Frauen in Abwesenheit ihrer Männer politisch geherrscht haben. Auch bei Aischylos gibt es dazu nichts.“

Mit Doku über Lady Di vorbereitet

Klytaimnestra bezeichnet sie als eine tolle, abgründige Rolle. Diese Figuren würden natürlich am meisten Spaß machen. Aber Klytaimnestra sei von Aischylos aus der Männersicht erzählt worden. „Wir haben uns daher die Freiheit genommen, die Geschichte mit anderen Überlieferungen anzureichern.“

Die Schauspielerin hat auch das neue Buch von Alexa Hennig von Lange über Johanna von Kastilien gelesen. „Daran interessierte mich die Frauensicht auf diese zwiespältige Königin.“ Darüber hinaus hat Bantzer einen Blick auf aktuelle Königshäuser geworfen, die immer dem öffentlichen Blick ausgesetzt seien.

„In der Probenzeit habe ich auch eine Dokumentation über Lady Di geschaut, die wir als Klischee abgespeichert haben, obwohl sie eine sehr berührende Biografie hat. Auch Aischylos hat das Paar Agamemnon und Klytaimnesta in den Szenen im öffentlichen Raum verortet und gesteht ihnen keinen privaten Moment zu.“

Die Schauspielerin stammt aus einer Künstlerfamilie

Geboren wurde Johanna Bantzer 1978 in Zürich, aufgewachsen ist sie in Hamburg. Sie ist ein typisches Schauspielerkind. Ihre Mutter ist die Schweizerin Annemarie Kuster, der Name ihres deutschen Vaters Christoph Bantzer ist eng mit dem Thalia-Theater verbunden. Sie selbst studierte Schauspiel in Zürich und begann ihre Karriere am Theater Basel.

Dort im Ensemble lernte sie Aljoscha Stadelmann kennen, mit dem sie zwei schulpflichtige Kinder hat. Über das Schauspiel Hannover kam sie nach Berlin. Ein Blick in die beachtliche Liste ihrer Produktionen zeigt, dass sie kontinuierlich Theater gemacht hat und in einigen Filmen sowie TV-Serien wie dem „Tatort“ mitgespielt hat. „Ich mache immer viel Theater und habe fast keine Zeit für andere Dinge. Dass ich im letzten Jahr drehen konnte, hat mich ganz glücklich gemacht. Wir haben drei Wochen in Kiew den Film ,Der Drachentöter’ gedreht. Die Eindrücke waren für mich wichtig.“

Viele Gäste auf ihrem Hof in Mecklenburg-Vorpommern

Der Beruf mache sie natürlich sehr glücklich, sagt Johanna Bantzer. „Aber es gibt schon einiges, was gegen ihn spricht. Auch das Ensemble der Volksbühne wird sich nach den zwei Jahren wieder zerstreuen. Die Familien ziehen wieder mit woanders hin.

Als Schauspielerin muss man sich über den Lebensrhythmus bewusst sein.“ Mit Freunden zusammen hat ihre Familie vor drei Jahren einen Hof in Mecklenburg-Vorpommern gekauft. „Wir brauchen auch einen anderen Kosmos für uns“, sagt sie: „Wir führen dort ein ganz anderes Leben. Wir werden von Gästen überrannt. Leute proben bei uns. Jetzt können wir bald Äpfel ernten.“