Waldbühne

Sido in Berlin: „Denn keiner macht es so wie Papa“

Sido gibt ein Konzert in der Berliner Waldbühne. Auch die Corona-Einschränkungen tun der Stimmung keinen Abbruch.

Sido auf der Bühne. Die Zuhörer halten den Corona-Abstand ein.

Sido auf der Bühne. Die Zuhörer halten den Corona-Abstand ein.

Foto: Holly Hildebrand

Berlin. Schlammige Wege, 17 Grad und Nieselregen. Nicht die besten Voraussetzungen für ein Open-Air-Konzert. Die Waldbühne ist am Sonnabend trotzdem restlos ausverkauft. Kein Wunder: Niemand geringeres als Sido gibt sich die Ehre. Nachdem am Donnerstag und Freitag Roland Kaiser zum Auftakt der „Back to live“-Konzertreihe in Berlins schönster Freiluftlocation aufspielte, zieht es das Publikum diesmal für den Berliner Rapper auf die Ränge.

Sido in der Waldbühne: Das Publikum hat Bock

Kraftvoll eröffnet Sido, begleitet von DJ Desue, seinen Auftritt um halb neun mit „Wie Papa“, von seinem neuen Album „Ich und keine Maske“. Stimmung kommt direkt beim nächsten Track auf: „Mein Block“, Auftakt eines Medleys aus älteren Hits. Beim Refrain heißt es: Die unteren gegen die oberen Ränge. „Erstmal ein bisschen Unruhe stiften“, neckt der Rapper das Publikum. Die Fans sind durchgehend textsicher, geben alles, ob nun bei „Der Himmel kann warten“ oder „Mein Block, mein Bezirk, mein Viertel, meine Gegend“. Das Publikum hat an diesem Abend Bock: auf Musik, auf Sido.

Vergessen sind das miese Wetter und die herbstlichen Temperaturen. Gut ausgestattet sind ohnehin die meisten der Besucher. Nicht nur mit Hoodies und Shirts mit „Sido“-Aufdruck, auch mit passenden „Ich und keine Maske“-Masken haben sich im Vorfeld viele der Fans eingedeckt. Wer vom Wetter doch überrascht wurde, kann sich auch vor Ort noch schnell einen Regenponcho kaufen.

"Sido"-Sprechchöre schallen durch die Senke

Bereits eine gute Stunde vorher wird die Akustik der Waldbühne passend genutzt: spontane „S-E-K-T-E“- und „Sido - Sido - Sido“-Chöre schallen durch die Senke. Die Sitze werden mit Taschentüchern trocken gewischt, die Kapuzen schützen gegen die Kälte – die Stimmung kann (fast) nichts trüben. Einzig die strikte Kein-Alkohol-Regel („Wegen Corona. Aber dafür gibt es Sido, das ist doch wenigstens etwas.“) enttäuscht einige der Fans im Vorfeld. Doch auch dieses Manko ist bei den ersten Takten vergessen.


„Mir macht das Gänsehaut!“, kommentiert Sido sein Heimspiel. Auf die Frage, wie viele der Besucher aus Berlin sind, antwortet der Großteil des Publikums mit ohrenbetäubendem Lärm. Noch lauter ist nur der Bass, der die Waldbühne zum Beben bringt. Geschlossen folgen die Ränge seiner Aufforderung, aufzustehen. So fällt direkt weniger auf, dass aus Hygienegründen nur jede zweite Reihe belegt ist. „Bei manchen Konzerten wird einem der Blick versperrt. Das kann dir hier nicht passieren“, kommentiert ein Besucher die Sitzordnung.

Das Publikum ist sicherlich deutlich jünger als bei Roland Kaiser in den Tagen zuvor. Zwischen eingefleischten Hip-Hop-Fans mischen sich Familien. Und doch haben auch viele Ältere den Weg an die Waldbühne gefunden, wie Sido feststellt. „Es ist mir ein inneres Blumenpflücken heute Abend“, dankt der Rapper seinen Fans. Frenetischer Applaus ist die Antwort.

"Nicht leicht in Zeiten wie diesen, ein guter Mensch zu sein"


„Ich denke es ist nicht leicht in Zeiten wie diesen, ein guter Mensch zu sein – aber ich glaube fest daran, dass es auf den Versuch ankommt. Also Berlin: lasst es uns versuchen“, wird Sido nachdenklicher. Diese Stimmung spiegelt sich in Tracks wie „Herz“ oder „Mein Testament“. Mit neueren Titeln wie „Melatonin“ oder „Leben vor dem Tod“ motiviert der Rapper sein Publikum dabei jedoch auch direkt wieder. Ebenso wie mit seinen humorvollen Überleitungen, die ebenso von Sidos mittlerweile 20 Jahren Bühnenerfahrung zeugen.

Zum Schluss spielt der Rapper die alten Songs. Und macht damit auch den letzten Fan wunschlos glücklich. So bleibt nur, sich dem Newcomer STK aus Aachen, der als Opening Act auftritt, anzuschließen: „Und wenn es morgen schon vorbei ist, dann war es wenigstens geil.“ Vorbei ist die „Back to live“-Reihe allerdings noch nicht: Insgesamt folgen bis zum 2. Oktober noch vier Open-Air-Konzerte auf der Waldbühne. Weiter geht es am Sonntag mit Helge Schneider.

Sido - mehr zum Thema: