Ein Mann und eine Frau. Regen. Die Frau steckt sich eine Zigarette, bittet den Mann um Feuer. Sie gibt zu, dass ein Feind sie geschickt hat. Zugleich bietet sie sich an, seine Frau zu ersetzen. Und der Mann weiß nie, ob er der Fremden trauen kann oder ob sie ihn ins Verderben reißt.

Klingt nach klassischem Film Noir der 40-er mit Antiheld und Femme Fatale. „Der See der wilden Gänse“ aber ist ein Thriller aus dem modernen China. Normalerweise hätte ihn der Verleih beworben als neuen Film von Diao Yinan, der 2014 für „Feuerwerk am helllichten Tage“ auf der Berlinale den Goldenen Bären gewann. Zu Corona-Zeiten aber wird er promotet mit dem traurigen Label „Made in Wuhan“. Das muss man gleich wieder vergessen, Parallelen gibt es keine. Der Film spielt 2012.

Der Film leuchtet mit knallenden Neonfarben n Pink, Gelb, Grün und Rot.
Der Film leuchtet mit knallenden Neonfarben n Pink, Gelb, Grün und Rot. © Eksystent

Nach einem Kampf zweier rivalisierender Clans ist der Gangster Zhou Zenong (Hu Ge) auf der Flucht. Wegen der Belohnung, die auf ihn ausgesetzt wurde, sind alle hinter ihm her, Kriminelle wie Polizisten. Er aber will, dass seine Frau sein Geld bekommt. Da bietet sich die geheimnisvolle Liu Aiai (Gwei Lun-Mei) an.

Dschinghis Khan dudelt auf Deutsch

Diao Yinan inszeniert seinen Thriller als knalligen Neo-Noir voller leuchtender Neonfarben. Mit wenig Dialogen, aber umso stärkeren Bildern. Und großartigen Einfällen, wenn nachts im Dunkel alle leuchtende Neonschuhe tragen. Oder wenn zu einer Verfolgung auf dem Flohmarkt der Schlager „Dschinghis Khan“ dudelt, auf deutsch.

Das ist große, starke Unterhaltung. Und doch: Dass der Film aus der Stadt kommt, in der die ersten Corona-Fälle auftraten, ist umso bizarrer, wenn man mit Maske im Kino sitzt.

Thriller China/F 2019, 110 min., von Diao Yinan, mit Hu Ge, Gwei Lun-Mei, Liao Fan