Das nennt man Déjà-vu: Erst vor vier Wochen startete „Edison – Ein Leben voller Licht“ über den berühmten „Stromkrieg“, den Thomas Alva Edison und George Westinghouse um 1890 geführt haben. Da kommt mit „Tesla“ gleich noch ein Film zum Thema, der das Ganze diesmal aus der Perspektive des dritten Beteiligten zeigt: Nikola Tesla, der erst bei Edison arbeitete, dann im Streit bei ihm kündigte und wieder übervorteilt wurde, bis Westinghouse ihn anwarb und mit ihm den Stromkrieg gewann.
Tesla, dem berühmten Erfinder und Elektroingenieur aus Serbien, gab man in den USA anfangs kaum eine Chance. Und immer wieder wurde er übervorteilt. Er schien nur an den technischen Entwicklungen interessiert, das Geld damit aber machten andere, während er fast verarmt starb. Googelt man heute seinen Namen, findet man indes doppelt so viele Interneteinträge wie bei Edison, dem vermeintlichen Vater der Glühbirne.
Der „Edison“-Film wurde bereits vor drei Jahren als aufwändiger Historienfilm mit großen Stars verfilmt und wurde erst als Oscar-Kandidat angekündigt, dann aber immer wieder zurückgehalten. Der Regisseur machte inzwischen einen Director’s Cut, doch auch der wurde nur gestartet, weil es schon einen neuen Film zum Thema gab. „Tesla“ kommt im Vergleich billiger daher. Aber umso interessanter.

Seit langem schon hat Michael Amereyda einen Film über Tesla machen wollen. Schon, als noch niemand von E-Mobilen sprach. Das merkt man ihm insofern an, dass sein Star Ethan Hawke inzwischen eigentlich zu alt für Tesla ist (so wie Nicholas Hoult in „Edison“ zu jung für ihn war).
Doppeltes Déjà-vu
Aber wie Almereyda vor 20 Jahren schon in „Hamlet 2000“ – mit Hawke als Hamlet und Kyle MacLachlan als Claudius – das Shakespeare-Drama radikal in die Gegenwart hievte, bricht er nun auch in „Tesla“. wieder mit denselben Stars, das streng historische Korsett.
Statt aufwändige Außenaufnahmen ins damalige Kolorit zu versetzen, stehen die Protagonisten vor Fototapeten mit historischen Bildern. Dafür telefoniert Tesla schon mal mit einem Handy. Und immer wieder sitzt seine Frau Anne Morgan (Eve Hewson) vor einem sehr heutigen Laptop und referiert, den Zuschauer direkt fixierend, Fakten über Tesla und Edison.

Und wie ein Brecht’scher Verfremdungseffekt wird immer wieder die Handlung durchbrochen. Eine eisige Auseinandersetzung zwischen Tesla (Ethan Hawke) und Edison (Kyle MacLachlan) wird etwa mit Speiseeis geführt und eskaliert, indem sie sich die Eiskugeln gegenseitig an Brust und Kopf ditschen. Dann unterbricht Hewsons Stimme: So habe sich das natürlich nie abgespielt. Und dann geht die Szene noch mal von vorne los.
Der Erfinder singt einen traurigen Popsong
Der Zuschauer wird derart geschult, nicht alle gern kolportierten Anekdoten zu glauben. Zugleich bleibt man so immer auf gesunder Distanz zu dem genialen Tüftler, der Jahre nach dem Stromkriegsieg immer skurriler wird. Ein „Mad Scientist“, was ja eigentlich ein Filmklischee ist. Über seine absurden Vorstellungen wie dem Kontakt zu Außerirdischen verliert er am Ende sogar den wichtigsten Gefährten: seine Frau. Am Ende steht Tesla verloren vor einem Mikro und singt „Everybody Wants To Rule The World“, den Popsong von Tears for Fears. Aber selten klang das trauriger als in Hawkes Performance.
Biopic
USA 2020, 98 min.,
von Michael Almereyda, mit Ethan Hawke, Eve Hewson, Kyle MacLachlan


