Christian Fahrenbach

Bei einem Film über ein heruntergekommenes Sportteam, das es an die Spitze schafft, hat man bestimmte Erwartungen: Da gibt es das Ass, das sein Temperament zügeln lernen muss, das unterschätzte Talent, das erst langsam versteht, was in ihm steckt. Da gibt es das entscheidende Spiel in Zeitlupe und die große Motivationsrede, die ins Herz zielt und alles ändert.

Auch „Out of Play - Der Weg zurück“ greift einige dieser Elemente auf. Doch überraschende Wendungen brechen mit den Erwartungen. Im Mittelpunkt steht Jack Cunningham, einst der Basketball-Starspieler seiner Highschool, jetzt einer, der auf Baustellen malocht und ein gehöriges Alkoholproblem hat. Gespielt wird er von Ben Affleck, und das ist trotz des zuweilen simplen Umgangs mit dem Thema Sucht vielleicht der klügste Spielzug des Films: Seine eigene Vergangenheit als Alkoholsüchtiger geben der Rolle Tiefe.

Eines Tages bittet der Schulleiter seinen früheren Star, die aktuelle Basketballmannschaft als Trainer zu coachen: ein Team, das kaum genug Spieler hat, um alle Positionen zu besetzen. Rund um den Court zeigt sich dann die zweite große Stärke des Films von Gavin O’Connor, der schon durch „Warrior“ und zwei weitere Sportfilme Erfahrungen im Genre hat: Die Szenen sind dynamisch und nachvollziehbar, ohne diejenigen zu langweilen, die sich nicht für den Sport interessieren.

Jack steht sich dabei immer wieder frustrierend selbst im Weg, aber am Ende ist das auch das Besondere an diesem Film. „Out of Play“ verbietet sich die übliche einfache Hollywood-Lösung. Trotz des kitschigen Sonnenuntergangs am Ende.

Sportdrama USA 2020 109 min., von Gavin O’Connor, mit Ben Affleck, Al Madrigal, Janina Gavakar

dpa