Jüngere Zuschauer kennen Donald Sutherland wohl vor allem als Tyrannen. Als bösen Präsident Snow, der in den „Tribute von Panem“-Filmen junge Menschen für zynische Hungerspiele in die Arena schickt. Nicht mehr ganz so junge Zuschauer kennen den Schauspieler vor allem als Vater von Kiefer Sutherland, dem Held aus acht Staffeln „24“, der seinem Vater ziemlich ähnlich sieht und sonst meist die Unsympathen und Schurkenrollen spielt, für die schon sein Vater bekannt war.
Etwas Ältere kennen den Senior zumeist aus genau solch finsteren Rollen, in denen von seinem großen Schauspieltalent fast nur noch die brennenden Augen, das früh schlohweiße Haar und das sardonische Grinsen übrig blieb: wie etwa der General, der in „Outbreak“ Dustin Hoffman stoppen will. Den Älteren dürfte Sutherland noch am geläufigsten sein. Seine erfolgreichste Phase hatte er ab Ende der 60er-Jahre, als er mit dem Kriegsfilm „Das dreckige Dutzend“ bekannt und mit Robert Altmans Militär-Satire „S.M.A.S.H“ berühmt wurde.
In 55 Jahren drehte Sutherland mehr als 100 Filme
In den 70er-Jahren war der Kanadier, noch mit roten Locken, einer der präsentesten und wandelbarsten Schauspieler. Neben Jane Fonda spielte er den Titel-Detektiv in Alan J. Pakulas „Klute“ (1972), mit Julie Christie in Nicolas Roegs herrlich verrätseltem Thriller „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (1973), bei dem vor allem ihre Sexszene Geschichte schrieb – weil alle sie für echt hielten.

Für Federico Fellini war er dann gleich der größte aller Liebhaber in „Casanova“ (1976). Und im selben Jahr zerschmetterte er als Faschist in Bernardo Bertoluccis Jahrhundertepos „1900“ ein wehrloses Kind an der Wand. Was ihn wohl für die späteren Schurken prädestinierte.
Vielleicht war der Zwei-Meter-Mann immer schon zu groß für Hollywood. In seiner 55-jährigen Karriere hat er über 100 Filme gedreht, mehr als die meisten Kollegen, und dabei mit den größten Regisseuren zusammengearbeitet – von Oliver Stone, Robert Redford, John Schlesinger bis zu Europäern wie Claude Chabrol, Louis Malle, Wolfgang Petersen.
Späte Ehren in Hollywood
In den letzten Dekaden jedoch meist nur in prägnanten Nebenrollen. In denen kann er wie kein Zweiter den Stars die Schau stehlen. Doch den Ruhm ernten die anderen. So hat Sutherland trotz aller Bandbreite nie die Ehren erfahren, die er verdient hätte. Und wurde nie regulär für einen Oscar nominiert.

2011 endlich vermachte Hollywood dem Mimen doch noch einen Stern auf dem „Walk of Fame“, gleich neben der Plakette, die sein Sohn Kiefer dort schon hat. Und 2018 gab es immerhin einen Ehren-Oscar fürs Lebenswerk. Aber als Hollywood-Star sieht sich Sutherland, der fernab von Los Angeles in seiner kanadischen Heimat lebt, ohnehin nicht.
Granteln über Politiker
„Ich weiß nichts über Hollywood“, sagte er im vergangenen September, als er auch in San Sebastián für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde: „Ich arbeite nur.“ Und das tut der Unermüdliche, der am heutigen Freitag 85 Jahre alt wird, immer noch. Als Nächstes steht „Armageddon Time“ mit Robert De Niro und Cate Blanchett an.
Wichtiger als aller Ruhm aber war ihm immer Haltung. Schon in den 1970er-Jahren engagierte er sich mit Jane Fonda gegen den Vietnam-Krieg. Auch den „Panem“-Diktator gab der Ultraliberale vor allem in der Hoffnung, „dass junge Menschen daraus lernen, dass sie sich politisch engagieren müssen“. In San Sebastián beklagte er auch die „Bullshit“-Haltung vieler Politiker im Kampf gegen den Klimawandel: „Ich habe Kinder, ich habe Enkel“, ereiferte er sich da, „und die Welt, die ich ihnen hinterlasse, ist eine, in der sie nicht leben können.“


