Nachruf

Gitarrist und Sänger Avis Davis mit 73 Jahren gestorben

Anfang der 80er-Jahre hatte sich der anarchische New Yorker Freigeist in Berlin niedergelassen. Zwei seiner Alben entstanden hier

Sorgte für einen gewaltigen Energieschub: Avis Davis

Sorgte für einen gewaltigen Energieschub: Avis Davis

Foto: Innovative Communication

Er liebte es, zu provozieren. Er war einer, der mit ironischem Zwinkern vorsätzlich aneckte. Einer, der auf der Konzertbühne zum Getriebenen wurde. Der mit kantigen Gitarren-Riffs das Adrenalin zum Kochen brachte. Ein so sympathischer wie anarchischer Freigeist, der sich nichts vorschreiben lassen wollte und sich konsequent von den Stromschnellen des Rock ’n’ Roll treiben ließ.

Anfang der 1980er-Jahre hatte sich der New Yorker Gitarrist und Sänger Avis Davis in Berlin niedergelassen. Mit seinem rauen Power-Trio sorgte er für einen gewaltigen Energieschub in der Musikszene und auf den Clubbühnen der Stadt. Wie jetzt bekannt wurde, ist der Vollblutmusiker am 26. Mai in seinem Haus in Germantown im US-Bundesstaat New York nach einem Schlaganfall gestorben. In der New Yorker Underground-Szene war der am 4. April 1947 in New Jersey geborene Avis Davis bekannt wie eine bunter Hund. Als er 1975 für ­seine Band The Screaming Honkys eine Sängerin suchte, traf er auf die soulmächtige Rocksängerin Joy Rider, die er später heiratete. Als Joy Rider The Avis Davis Band spielten sie sich durch alle angesagten Clubs von Max’ Kansas City über C.B.G.B.‘s bis zum Mudd Club.

Sie spielten im Vorprogramm für die Ramones, John Cale oder Iggy Pop. In den späten Siebzigern veröffentlichten sie die punkig treibende Rock-Hymne „No More Nukes“, die es bis in die Charts schaffte. Sie traten 1979 vor mehr als 300.000 Menschen neben Jackson Browne, Bonnie Raitt und Crosby, Stills Nash beim „No Nukes“-Festival in Battery Park City auf. Als der New Yorker Regisseur Tony Ingrassia 1980 im Künstlerhaus Bethanien in Kreuzberg seine aufwendige Rock-Revue „Sheila“ inszenierte, ließ er dafür auch Joy Rider aus New York einfliegen. Und Avis Davis folgte ihr. Während Joy Rider in Berlin später ihre eigene Gruppe gründete, machte sich auch Avis Davis mit dem Bassisten Jürgen Dehmel, der später mit Nena Erfolge feierte, und dem Schlagzeuger Lello Lojewski, zuvor bei der Engerling Blues Band, selbstständig.

Davis huldigte in seinen Songs Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll

Die Konzerte der Avis Davis Band, die im Konzertsaal der Ufa-Fabrik in Tempelhof ihre Premiere feierte, sind ­legendär. Avis Davis huldigte in seinen Songs Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll, schwang seine grell pinkfarbene E-Gitarre und sang mit herrlich dreckiger Stimme vom exzessiven Leben auf der Überholspur. Zwei Alben sind während seiner Zeit in Berlin entstanden, „No. 1“ im Jahr 1981, ein Jahr später „Love Junky“. Sein früher Song „Nasty Secretary“ wurde 2010 von der schwe­dischen Band The Hives erfolgreich gecovert.

Mitte der Achtziger zog er mit seiner zweiten Ehefrau, der Sängerin Katia, wieder zurück nach New York, und sie produzierten dort seinen Song „Can Dance“. Das Video dazu wurde von Rod Swenson, dem Produzenten und Manager der Plasmatics, produziert. Anfang der Neunziger zog sich Avis mit seiner dritten Ehefrau Katrin nach Hudson, NY, zurück und trat nur noch in einigen Benefiz-Konzerten auf.

Die letzten Jahre lebte der Musiker sehr zurückgezogen in seinem Haus in Germantown am Hudson River. Er wurde 73 Jahre alt.