Mecklenburg bietet viel, von der Müritz bis zum Ostseestrand. Wer hier aufwächst, weiß das begreiflicher Weise nicht nur zu schätzen. Arbeitslosigkeit und die immer gleichen Dorfdiscos treiben manche in die Flucht und auch Zugereiste haben es schwer.

„Eh Du auf dem Dorf ankommst, bist du 30, 40, 85, tot.“ bekommt die smarte Frenni (Maike Johanna Reuter) von einer Kollegin zugeraunt – und antwortet mit einem stolz erhobenen Mittelfinger. Derweil sitzen zwei Jugendfreunde an einem Waldsee und angeln. Martin (Florian Bartholomäi) hat in Frenni seine große Liebe gefunden, die er Eric (Bernhard Conrad) vor vielen Jahren ausgespannt hat.

Eric (Bernhard Conrad, r.) rächt sich an Martin (Florian Bartholomäi):
Eric (Bernhard Conrad, r.) rächt sich an Martin (Florian Bartholomäi): © Artkeim²

Eric verharrt seither in einer Fantasiewelt, die er sich in seinem Kopf so schön ausmalt und die hier, in Mecklenburg, ums Verrecken nicht Realität werden will. Sehr real wird jedoch Frust und Hass, der sich in mörderischer Raserei Bahn sucht. Der junge Rostocker Filmemacher Max Gleschinski hat mit viel Herzblut und der Unterstützung einer Crowdfunding-Kampagne mit „Kahlschlag“ seinen ersten Langfilm realisiert und begeistert prompt.

Eine Wucht, die lange nachhallt

Auf den Spuren von psychologischen Thrillern wie „Fargo“ und „Fight Club“ erzählt er mit großer Freiheit und einem untrüglichen Gespür für Land und Leute von Versprechungen, vom Scheitern, persönlichen Frustrationen und der Suche nach einem Ventil. Manchmal mögen hier die Konflikte zwar ein wenig zu schematisch gezeichnet sein. Nicht zuletzt Dank der beeindruckenden Darsteller wirkt die Wucht dieses „Kahlschlags“ aber noch lange nach.

Drama D 2020 98 min., von Max Gleschinski, mit Florian Bartholomäi, Maika Johanna Reuter, Bernhard Conrad