Don Baker, ein junger Mann aus gutem Hause, feinsinnig, gebildet, gut aussehend, hat sein Luxushotel Mama verlassen, um endlich, befreit von Behütung und Bevormundung, selbstständig zu leben in einer Bude inmitten von New York. So fängt sie an, diese dem Leben weise abgelauschte, Klischees schlau unterlaufende Komödie „Schmetterlinge sind frei“ von Leonard Gershe, in der immer wieder nichts so ist, wie es zunächst scheint.
Dort, im schäbigen Junggesellen-Domizil (Bühne: Joachim Hamster Damm) trifft Don (Johannes Hallervorden) auf Jill Tanner (Helen Barke), die Nachbarin, eine puppenlustige Chaotin mit Herz, ein schlagfertiger, auf Abenteuer erpichter Springteufel aus gar nicht so gutem Hause. Jill, 24, sechzehnjährig für sechs Tage verheiratet, geschieden, mit Ach und Krach die High School, dann zur Uni, wo sie „keinen Parkplatz“ fand, macht neuerdings auf Schauspielerin. Und verknallt sich prompt in den eher schüchternen Don, der eigene Lieder zur Gitarre singt. Und sich rührend in Jill verliebt. Nach dem Sex sagt sie keck: „Es war wie Weihnachten und Unabhängigkeitstag zusammen.“ Dass ihr „innen wie außen schöner“ Don blind ist, das hat sie weder davor noch danach gestört und erst recht nicht dabei.
Der Sex war wie „Tag der Arbeit“
Doch da platzt Mutti (Julia Biedermann) ins frische Glück, um Sohnemann, der kräftig zurück schießt, heim zu holen. Sie meint, der Blinde schaffe es nicht ohne ihre Fürsorge. Ein Blindenhund sei allemal besser für ihn als dieses Flittchen. Unter vier Augen – Don ist unterwegs zum Einkauf fürs Abendessen zu zweit – fordert sie von Jill, Schluss zu machen mit Lustig, bevor sie Don unnötig wehtut.
Und wirklich: Jill verpasst das Dinner, trudelt Stunden später ein am Arm ihres Produzenten, der sie für einen, sagen wir Pornofilm engagierte. Der Sex mit ihm (Fabian Stromberger) war zwar wie „Tag der Arbeit“, trotzdem, sie will zu ihm und packt die Koffer. Don will zurück zu Mama, die ihn – Überraschung! – abweist. Er soll nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, sondern ein „neues Leben“ packen. Die Lady hat was kapiert. Doch das letzte Wort ist längst noch nicht gesprochen…
„Schmetterlinge sind frei“ kam 1969 heraus
Um es endlich zu sagen: Leonard Gershe aus New York City (1922-2002), einer der Broadway-Top-Autoren, lieferte mit diesem Stück 1969 ein Meisterwerk (und einen Hollywood-Hit). Schon im poetischen Titel „Schmetterlinge sind frei“ stecken die Ambivalenzen: Erregt flatterndes Freisein – zugleich Fragilität, Absturzgefährdung, Umherirren ohne Festpunkt.
Es ist ein komplexes Drama, das da in dieser zwischen Zartheit und Härte, Mut, Angst, Süße und Bitterkeit schwingenden Komödie steckt. Ein Drama über Emanzipation und Verantwortung, übers Erwachsenwerden, lustvoll Finden, schmerzlich Lassen und noch dazu (kleines Lehrstück) über den souveränen Umgang mit Blinden sowie das schwankende Selbstwertgefühl derart Behinderter.
Ein spannender, witziger Abend
Regisseurin Irene Christ hat all das im Griff, auch wenn beim Hin und Her der Stimmungen noch ein Quantum mehr Feinarbeit denkbar ist. Sei’s drum: Ein spannender, witziger, sehr berührender Abend. Großer Jubel.
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Schlosspark Theater, Schlossstraße 48, Steglitz. Karten: 789 56 67-100. Termine: Bis 11. April tgl. außer montags.
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