Neu im Kino

„The Gentlemen“: Guy Ritchie, ganz wie man ihn kennt

Mit seinem neuen Film „Gentlemen“ erweist sich der britische Regisseur Guy Ritchie einmal mehr als Meister des schrägen Gangsterfilms.

Na, wen haben Coach (Colin Farrell) und Ray (Charlie Hunnam) im Kofferraum verfrachtet?

Na, wen haben Coach (Colin Farrell) und Ray (Charlie Hunnam) im Kofferraum verfrachtet?

Foto: Leonine

Peter E. Müller

Der amerikanische Drogenhändler Mickey Pearson (Matthew McConaughey) hat in seiner Wahlheimat London über die Jahre ein florierendes Unternehmen aufgebaut. Seine findige Geschäftsidee: Auf der britischen Insel gibt es jede Menge verarmten Adel mit Besitztümern, die hohe Kosten verursachen. Er greift den Blaublütern finanziell kräftig unter die Arme, errichtet im Gegenzug unter ihren Anwesen riesige Marihuana-Plantagen. Die Ernte hat ihn zum Millionär und Teil der Upper Class gemacht.

Nun aber will er den Drogenhandel aufgeben, um sich mit Ehefrau Rosalind (Michelle Dockery) ins Oberschicht-Privatleben zurückzuziehen. Seine rechte Hand Ray (Charlie Hunnam) hat mit dem geldgierigen Matthew Berger (Jeremy Strong) auch schon den richtigen Käufer zur Hand. Doch auch die Londoner Unterwelt ist scharf auf Mickeys Imperium. Zudem will der Privatermittler Fletcher (Hugh Grant) auf Mickeys Kosten seine Schäfchen ins Trockene bringen. Schon bald überschlagen sich die Ereignisse.

Mit Filmen wie „Bube, Dame, König, Gras“ (1998) oder „Snatch – Schweine und Diamanten“ (2001) hat der britische Regisseur Guy Ritchie einen neuen stylischen Gangsterfilm etabliert, sozusagen als britische Antwort auf Quentin Tarantino. Nun kehrt er nach Großproduktionen wie „Sherlock Holmes“ oder „Aladdin“ mit „The Gentlemen“ in sein ureigenes Gangster-Genre zurück.

Lauter Pointen und Haken

Und erweist sich erneut als Meister pointenreicher Dialoge, irrwitziger Kameraeinstellungen und abstrus schwarzhumoriger Hakenschläge. Dabei zitiert er auch ungeniert die genretypische Kinogeschichte, immer passend unterlegt mit kultigen Rockhits des vergangenen Jahrhunderts.

Nie ist wirklich klar, ob die Ereignisse tatsächlich so stattfinden, wie es scheint. Denn Ritchie hat sich als Rahmenhandlung mit der Schnüfflerfigur Fletcher einen Erzähler ausgedacht, der den Drogenbaron mit einem Filmdrehbuch, Hauptrolle Mickey Pearson, erpressen will. Hugh Grant spielt diesen schmierigen Gauner, der eines Abends bei Mickeys Vertrautem Ray auftaucht, mit großartiger Lässigkeit. Schon allein diese portionierte Vier-Augen-Suada ist ein Highlight dieses Films.

„The Gentlemen“ kann mit einem exzellenten Darstellerensemble aufwarten, das ebenso geschwätzig wie schlagkräftig auftritt. Allen voran Colin Farrell als stoischer Chef eines
Jugendsportklubs Coach, dessen Zöglinge ihr ganz eigenes Hühnchen mit Pearson rupfen. Jede Menge schräge Charaktere in immer neuen chaotischen Situationen sorgen für Tempo und komödiantische Turbulenzen. Natürlich bietet „The Gentlemen“ auch jede Menge frontal choreographierte Actioneinlagen und bitterböse Komik.

Im Original wird besser genuschelt

Als Pearsons Leute einmal einen Gegner versehentlich aus dem Fenster werfen, heißt es nur: „Wir waren das nicht. Die Schwerkraft hat ihn getötet.“ Wie das Drehbuch überhaupt sehr dialog- und monologstark ist. Freilich macht es ungleich mehr Spaß, sich diesen Film im englischen Original anzusehen, obgleich man nicht immer alles von dem derben Londoner Genuschel auf Anhieb versteht. Diese „Gentlemen“ sind einfach ein großer Spaß. Ein echter Ritchie eben.

Thriller USA 2020, 113 min., von Guy Ricthie, mit Matthew McConaughey, Hugh Grant, Charlie Hunnam