Maxim Gorki Theater

„Maria“ langweilt mit endlosen Dialogen

Regisseur Nurkan Erpulat versucht, eine modernisierte Figur auf die Bühne zu bringen. Das misslingt.

Cigdem Teke (l.) und Vidina Popov in „Maria“.

Cigdem Teke (l.) und Vidina Popov in „Maria“.

Foto: Ute Langkafel MAIFOTO

Eine wildgelockte junge Frau (Vidina Popow) betritt breitbeinig die Bühne. Hüftschwingend streift sie sich einen künstlichen Babybauch über. „Doktor, ich hab’ total Angst vor den Schmerzen“, sagt sie. Die 18-Jährige betont: „Seltsam, dass eine, die in diesem Jahrtausend geboren ist, schon Mutter sein kann“.

„Maria” ist das neuste Stück des britischen Dramatikers Simon Stephens. Er wurde vom Magazin „Theater Heute“ fünfmal zum besten ausländischen Dramatiker gekürt und hat sich auf sozial prekäre Charaktere spezialisiert. So erzählt er in „Port” (2002) vom Versuch einer jungen Frau, sich aus einer Spirale häuslicher Gewalt zu befreien. „Maria“ wurde im Januar letzten Jahres am Thalia Theater in Hamburg uraufgeführt. Die Fassung von Regisseur Nurkan Erpulat feierte am Sonnabendabend am Maxim Gorki Theater Premiere.

Die Darsteller tanzen grinsend um die vor Schmerzen schreiende Maria herum

Marias Mutter wurde von einem LKW überrollt, ihr Bruder (Karim Daoud) treibt sich in der Welt herum, und ihr Vater macht sich nicht allzu viel aus ihr. In ihrem Job im Fitnessstudio wird sie vom Chef fertig gemacht. Vor lauter Frust würde sie am liebsten die ganze abgehobene Oberschicht abknallen. „Einen anderen Job suchen ist wahrscheinlich einfacher“, erwidert Marias Oma (Çiğdem Teke) trocken auf ihren Ausbruch.

Auf der kahlen Bühne brauchen die Charaktere keinen Anlass, um andauernd hin- und her zu rennen. Nur bei einem macht das ganze Gerenne Sinn - bei Christian, dem Herumtreiber-Bruder. Dabei träumt Maria selbst davon, die Welt zu sehen. Stattdessen setzen die Wehen ein, die der Regisseur in eine ironische Musical-Nummer verpackt. Grinsend tanzen die Darsteller um die vor Schmerzen schreiende Maria herum. „Ich will ‘ne Abtreibung, jetzt sofort!“, schreit die Hochschwangere.

Konfuse Dialoge drehen sich im Kreis

Dann klappt das Bühnenbild herunter, und Maria sitzt in ihrem Schlafzimmer mit Babybett. Statt zu reisen, spricht sie im Internet für Geld mit einsamen Menschen aus der ganzen Welt, die sich so ihre Aufmerksamkeit erkaufen. Es folgen konfuse Dialoge, die sich im Kreis drehen. Gewaltsam wird das Publikum aufgerüttelt, als ein aggressiver Perverser droht, sie „in alle Löcher zu ficken“. Gespielt wird der Typ von Till Wonka, der in allen seinen vier Rollen sehr überzeugt. Das Gespräch bricht ab, die nächste Anruferin steht schon bereit. „Die Menschen sind nicht so schlecht, wie du denkst”, sagt sie.

So geht es weiter, abgedroschene Lebensweisheiten reihen sich aneinander. „Maria“ langweilt das Publikum mit endlosen Dialogen, die oft ins Nichts führen. Zwar bringen sie hier und da Lacher hervor. Die können aber nicht über den enttäuschenden Großteil des Stückes hinwegtrösten.

Die Hoffnung auf ein moderne Maria Magdalena wird enttäuscht

Das Programm verspricht eine Modernisierung von Hebbels "Maria Magdalena" und Horváths Maria aus "Glaube Liebe Hoffnung". Diese Hoffnung wird am Premierenabend herbe enttäuscht. Zwar ist die thematische Übertragung ins Heute geglückt. Auch die Witze kommen an, und der Applaus währt lange. Doch in ihrer ziellosen Eindimensionalität gleicht Simon Stephens’ Stück eher einer Soap über Teenie-Schwangerschaften, die sich auf die Bühne verirrt hat. Der Versuch, nah an Stephens’ Text zu bleiben und das Stück mit humoristischen Elementen und viel Gewusel aufzulockern, hat hier leider nur langweilige Inkonsistenz bewirkt.

Maxim Gorki Theater, Am Festungsgraben 2, Mitte. Kartentel.: 202 21 115. Nächste Vorstellungen: 20., 21.2., 19.30 Uhr.