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„Besser Welt als nie“: Zwei Jahre auf dem Sattel

Man kann auch bequemer reisen. Aber dabei erfährt man wohl nicht so viel über die Welt: die Filmdokumentation einer Weltumradlung.

Besser Welt als nie

Besser Welt als nie

Foto: 24 Bilder

Vom Schriftsteller Max Goldt stammt der Ausspruch, dass „Blödmänner“, kaum dass sich bei ihnen ein bisschen Geld angesammelt habe, „alles stehen und liegen“ lassen und in „kochend heiße Länder mit riesigen Insekten und bekloppten Religionen“ reisen. Reisen, wie blöd ist das denn. Wo doch jeder schon aus den Nachrichten weiß, dass die Welt nervt und sehr gefährlich ist.

Zum Glück fehlt dem 1990 geborenen Bauingenieur Dennis Kailing für diesen Zynismus die Abgebrühtheit. Und für eine bequeme Reise auch das Geld. Doch weil er „große Sehnsucht nach der Welt“ verspürt, setzt er sich in seinem hessischen Heimatort Gelnhausen aufs Fahrrad und bricht Richtung Osten auf. Um zwei Jahre später, nach 43.600 Kilometern, 41 Ländern auf sechs Kontinenten von Westen her wieder zuhause anzukommen.

Keinen Rekord aufstellen, keine Grenzen ausloten

„Besser Welt als nie“ ist, so spektakulär Kailings Aufnahmen von unterwegs auch sind, von einer angenehmen Unaufgeregtheit: Hier will ein Mensch herausfinden, „was einen glücklich macht“. Das klingt so nett und naiv, als wäre er ein Bauernsohn aus einem Grimmschen Märchen. Er will weder einen Rekord aufstellen noch an seine Grenzen kommen, all diese Selbstoptimierungsdinge scheinen ihm fern.

Anstatt sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, setzt er Helmkamera, Drohne und Stativ vor allem dafür ein , um die Welt und ihre Menschen aufzuzeichnen, wie sie ihm begegnet sind, oder besser: wie sie ihn aufgenommen haben. Noch in der ärmlichsten Blechhütte und im finstersten Wald erfährt er Gastfreundschaft. Statt „Die Welt von oben“ zeigt er sie uns „von unten“. Und gibt sich trotzdem nicht krampfhaft untouristisch. Das Monument Valley muss schon auch sein.

Die Deutungshoheit über unsere Welt

Kailing ist sich darüber im Klaren, dass sein deutscher Pass ihn einen Großteil der Grenzen problemlos passieren lässt. Er erwartet trotzdem nicht, dass alles klappt. Bleibt geduldig, findet Lösungen und immer hilfsbereite Menschen. Sein Resümee kann man als Korrektur unseres krisenhaften Welt-Bildes sehen: „Erstens: Die Welt ist ein wunderschöner Ort und der Mensch prinzipiell gut. Zweitens: Es geht immer weiter.“ Auch wenn es manchmal allzu blumig zugeht in seinen Sätzen, ist der visuell und erzählerisch so nahbare wie erstaunliche Film ein Appell, nicht den Zynikern und Spaltern die Deutungshoheit über unsere Welt zu überlassen.

Dokumentarfilm D 2020 116 min., von Dannis Kailing und Robert Elschner