35 Jahre ist es her, dass sich Heiner Lauterbach in „Männer“ aus Liebe und gekränkter Eitelkeit zum Affen machte. Ein Jahr später kämpfte Barbara Sukowa als „Rosa Luxemburg“ für die Revolution. Nun kommt mit „Enkel für Anfänger“ ihr erster gemeinsamer Film in die Kinos und es scheint ein wenig, als sei die Zeit stehen geblieben.

Weil Gerhard (Lauterbach), ein Arzt im Ruhestand, immer nur um sich selbst kreiste, treibt ihn der Verlust seiner Liebe und seiner Arbeit an den Rand des Selbstmords. Gerade noch rechtzeitig läuft ihm Philippa (Barbara Sukowa) über den Weg, eine alte Bekannte, die ihre alternative Lebensweise aus den wilden 60-ern in die Gegenwart gerettet hat.

Vollen Einsatz muss man auch auf Hüpfburgen leisten.
Vollen Einsatz muss man auch auf Hüpfburgen leisten. © Studiocanal

Sie betätigt sich als Leihoma, die Kindern von Helikoptereltern die unerhörte Leichtigkeit des Seins vorlebt. Auch ihre Schwägerin Karin (Maren Kroymann) hat sie für die Kinderbetreuung angeworben. Und selbst Gerhard lässt sich nach einigem Zögern zur Teilzeit-Großvaterschaft überreden.

Kulturkampf zwischen Babyboomern und Generation Golf

Spannender, als die voraussehbare Wandlung eines egozentrischen Grantlers gerät in dieser turbulenten Komödie allerdings das Spiel zwischen den Erwachsenen, das in seinen besten Momenten zu einer wahren Schlacht um die bessere Lebensgestaltung führt. Bedauerlich nur, dass der Film dabei konfliktscheuer agiert als seine Protagonisten und seinen zugespitzten Realismus irgendwann einer allgemeinen Harmonisierung opfert. Immerhin lässt eine kurze Szene den Kulturkampf zwischen den Babyboomern und der nachfolgenden „Generation Golf“ anklingen. Auch den hat Barbara Sukowa bereits ausgefochten, zuletzt in „Die abhan­dene Welt.“

Komödie D 2020 104 min., von Wolfgang Groos, mit Maren Kroymann, Heiner Lauterbach, Barbara Sukowa