Selten hat ein Untertitel einen Film besser zusammengefasst – zumindest im Original. „Birds of Prey (And the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn)“ heißt es da, also: Birds of Prey und die fantastische Emanzipation der einzigartigen Harley Quinn.
Quinn, Fans des DC-Universums wissen das natürlich, ist jene Ex-Psychiaterin und Baseballfanatikerin, die sich bei ihrer Arbeit als Therapeutin im Arkham Asylum in den Joker verliebte und ihm bedingungslos folgte. Filmuniversumstechnisch angesiedelt bei Jared Letos Joker in „Suicid Squad“, nicht bei Joaquin Phoenix gefeierter Interpretation, die bei den Oscars triumphieren könnte.
Frauen, die sich an Männern rächen
„Birds of Prey“ ist nun der emanzipatorische Befreiungsschlag vom Joker. Margot Robbie mit den vielen Tätowierungen am ganzen Körper (auf ihrer Wange prangt „Rotten“), dem Baseballschläger als Waffe, den Rollschuhen an den Füßen und den Goldketten um den Hals, spielt die harlekin-ähnliche Antiheldin absolut aufgedreht. An ihrer Seite stehen vier weitere Frauen, eine ungewöhnliche Superheldinnen-Truppe, die eigentlich weder Super noch Heldinnen sind, sondern vielmehr gebrochene Frauen, die sich an Männern rächen wollen. Die ganz im Zeichen der Selbstjustiz gemeinsam in der Unterwelt Gotham City einmal feucht durchwischen wollen.

Ihr Gegenspieler: der Verbrecherboss Black Mass, der es auf einen Diamanten abgesehen hat. Regisseurin Cathy Yan erzählt keine reine Origin-Geschichte, sondern in anfänglich unstrukturierter, fast schon anarchischer Erzählweise vom Wahn und Wahnsinn der Harley Quinn. Die Actionszenen sind nahezu virtuos inszeniert: bunt, laut, fröhlich und brutal. Ein Tanz auf Rollschuhen – mit dem Baseballschläger in der Hand.
Konfetti statt Leichenteile
Als Harley Quinn die Polizeistation in Gotham City stürmt, schießt sie mit Platzpatronen. Statt Leichenteilen regnet es hier Konfetti. „Birds of Prey“ wirkt visuell wie „John Wick“ auf Speed mit einer Prise „Deadpool“ und überzogen mit einer Salve Glitzer. Atmosphärisch düster, das große Finale in einem Freizeitpark ist eingetaucht in einen Graphic-Novel- Look mit den Farbakzenten immer an der richtigen Stelle.
„Birds of Prey“ ist überdreht und überzogen, aber mit einer mehr als wichtigen Botschaft: Frauen sollte man niemals unterschätzen. Weder im Superheldenbusiness noch im echten Leben. Das DC-Universum erfindet sich gerade neu. Es geht doch!
Actionfilm USA 2020, 109 min., von Cathy Yan, mit Margot Robbie, Mary Elizabeth Winstead, Jurnee Smollett-Bell


