Neu im Kino

„Darkroom - Tödliche Tropfen“: Mörder mit zwei Gesichtern

Rosa von Praunheim hat den Fall des Berliner Mörders Dirk P. verfilmt. „Darkroom“ ist eine Art schwuler „Goldener Handschuh“ geworden.

Lars (Bozidar Kocevski, l.) mit einem seiner Opfer.

Lars (Bozidar Kocevski, l.) mit einem seiner Opfer.

Foto: Missing Films

Nach 50 Jahren schwuler Emanzipation, an der er entscheidend mitgearbeitet hat, könne man auch mal einen „bösen Schwulen“ zeigen, findet Rosa von Praunheim. Und legt nun mit „Darkroom - Tödliche Tropfen“ so etwas wie eine schwule Version von „Der Goldene Handschuh“ vor.

Wie Fatih Akin darin die Geschichte des Hamburger Frauenmörders Fritz Honka erzählte, beruht auch „Darkroom“ auf einem realen Fall: dem des Serientäters Dirk P., der 2012 in Berlin innerhalb von nur drei Wochen drei Männer getötet und es bei zwei weiteren versucht hat. Wie Akin erzählt das auch Praunheim aus der Perspektive des Mörders. Allerdings werden die Opfer hier nicht bestialisch abgeschlachtet. Als Tatwaffe dient eine Überdosis der Sexdroge Liquid Acid.

Mehr zum Thema: Rosa von Praunheim im Gespräch

Eigentlich war Lars (Bozidar Kocevski), wie der Täter im Film aus juristischen Gründen heißt, bei allen beliebt. Bei Freunden wie Arbeitskollegen. Jetzt aber liegt er festgeschnallt in Isolierhaft und wird rund um die Uhr von Polizisten bewacht. Wenn er nicht vor Gericht sitzt. Dabei kontrastieren die Aussagen von Zeugen mit seinen eigenen Erinnerungen.

Herr über Leben und Tod spielen

Wie er als Krankenpfleger erste Erfahrungen mit dem Tod macht und Patienten beim Sterben begleitet. Wie er seinen Freund Roland (Heiner Bomhard) kennenlernt und mit ihm nach Berlin zieht. Wie er beim flüchtigen Sex mit einem Fremden erstmals mit der Droge in Kontakt kommt. Und diese fortan nutzt, um Herr über Leben und Tod zu spielen.

Kocevski und Bomhard, beides Schauspieler am Deutschen Theater, haben schon in Praunheims dortigem Theaterstück „Jeder Idiot hat eine Oma, nur ich nicht“ für Furore gesorgt und geben hier ihr Kinodebüt. Sein Drama rollt Praunheim in einem Mix von Zeugenaussagen und Spielhandlung ab. Die Gerichtsszenen sind teils grotesk überzogen inszeniert als Wahnvorstellungen des Täters. Am stärksten ist der Film aber da, wo Praunheim sein eigenes Milieu unter die Lupe nimmt.

„Darkroom“ ist ein verstörendes Psychogramm über einen Mörder, der seine Opfer eiskalt in die Falle lockt. Und doch für die Toten ein Fenster öffnet, damit ihre Seelen entweichen können. Ein Mann mit zwei Gesichtern, der nicht nur seinen Ex-Freund entsetzt zurücklässt.

„Darkroom - Tödliche Tropfen“: der Trailer zum Film

Drama D 2019 89 min, von Rosa von Praunheim, mit Bozidar Kocevski, Heiner Bomhard, Katy Karrenbauer