Das hat ihm gerade noch gefehlt. Krabbenfischer Tyler (Shia LaBeouf) hinterlässt buchstäblich verbrannte Erde. Weil er seinen Job verloren hat, fackelt er die Reusen seiner Kollegen ab und braust auf seinem Boot vor den aufgebrachten Fischern davon. Da aber findet er, unter einer Plane versteckt, einen blinden Passagier, der bloß mit einer Unterhose bekleidet ist.

Buddy-Filme leben vom größtmöglichen Kontrast. Von gegensätzlichen Charakteren, die aufeinanderprallen. Wobei der eine den anderen immer sofort loswerden will, der sich aber wie eine Klette an ihn hängt.
Als junger Mann im Altersheim eingepfercht
Der Gegensatz potenziert sich noch bei mentalen Fähigkeiten: etwa wenn es wie in „Rain Main“ um einen Autisten geht oder in „Am achten Tag“ um einen Mann mit Down-Syndrom. An letzteren dockt „The Peanut Butter Falcon“ deutlich an.
Auch Zac (Zack Gottsagen), der blinde Passagier, hat das Down-Syndrom. Weil die Behörden keine andere Unterbringungsmöglichkeit gefunden haben, wurde er in ein Seniorenheim gesteckt, wo er nichts zu suchen hat. Deshalb ist er ausgebüxt. So hat es ihn auf das Boot von Tyler verschlagen.
Letzteren hat, wie man in kurzen Rückblenden erfährt, der Tod seines Bruders aus der Bahn geworfen. Und mit seinen krummen Touren hat er zurecht den Zorn der Kollegen entfacht. Den Fremden, der da plötzlich unter der Plane zum Vorschein kommt, will er deshalb so schnell wie möglich abschütteln.

Aber da ist doch ein Rest von Anstand in Tyler, den halbnackten Hilflosen nicht allein in der Ödnis zurückzulassen. Und so unterschiedlich sie auch sind, haben sie doch mehr gemein, als man denken könnte: Beide haben sonst niemanden mehr auf der Welt. Und beide sind auf der Flucht: Tyler vor den Fischern, Zac vor den Behörden und seiner Krankenpflegerin Eleanor (Dakota Johnson aus „Fifty Shades of Grey“).
Auf dem Floß wie bei Huckleberry Finn
So irren sie nun gemeinsam durch die sumpfigen, schwülen Südstaaten. Der Film lebt dabei sowohl von seinem großartigen Landschaftspanoramen als auch von seinem Darstellerduo. Auch da ist großer Kontrast angesagt: Hier der Filmstar Shia LaBeouf, der sich nach seinen Mainstreamhits nun ausschließlich dem Arthouse-Kino widmet. Und da den Neuling Zachary Gottsagen, der bei einem Workshop für Menschen mit Behinderungen entdeckt wurde.
Ganz nebenbei wird auch viel erzählt über Verlierer in der US- Provinz, über Missstände im Pflegebereich und die alltägliche Diskriminierung von Behinderten. Irgendwann landet das ungleiche Paar auf einem Floß und treibt wie in „Huckleberry Finn“ dahin.
Schaler Schluss mit Wrestler-Keile
Auch die Krankenpflegerin gelangt mit an Bord. Für eine kurze, utopische Zeit finden sich die die drei wie in einer Patchwork-Familie in einer eigenen Welt, einem geschützten Raum. Bis die Realität sich um so brutaler zurückmeldet.
„Peanut Butter Falcon“ ist Buddy- und Road-Movie zugleich. Ein Film, der auch durch die Seele Amerikas schippert. Dass Zac aber von einer Wrestler-Karriere träumt und Tyler ihn dafür gegen einen gestandenen Kämpfer in den Ring schickt, schockt nicht nur Eleanor, sondern auch den Zuschauer. Und zuletzt muss doch alles in schaler Harmonie enden, obwohl der Film den Kitsch so lange umschifft hat.
Drama USA 2019 98 min, von Tyler Nilson und Mike Schwartz, mit Shia LaBeouf, Dakota Johnson, Zachary Gottsagen


