Konzert in Berlin

Bei Dirk Michaelis und City wird die Stimmung feierlich

Mit Dirk Michaelis, Ex-Frontmann von Karussell, geht die Ostrock-Band City auf Dezember-Tour. Ein schönes Doppelpack im Admiralspalast.

Auf vorweihnachtlicher Dezembertour: City.

Auf vorweihnachtlicher Dezembertour: City.

Foto: City Pressefoto

Berlin. Ostrock zum Advent gab es am Sonntagabend im Admiralspalast. Mittlerweile ist es schon zur Tradition geworden, dass die Haudegen von City auf vorweihnachtliche Dezembertour gehen und sich für diese Konzerte namhafte Special Guests einladen. Zum wiederholten Male war dieses Mal Dirk Michaelis dabei, Sänger, Solokünstler und ehemals Frontmann der Band Karussell.

Ein schönes Doppelpack also und das perfekte Weihnachtsgeschenk insbesondere für in der DDR sozialisierte Freunde der „liedhaften Rockmusik”. So nennen Fachkreise das eigenständige ostdeutsche Genre, zu dessen herausragenden Repräsentanten Michaelis sowie City, die Band mit den charakteristischen Geigeneinlagen, zählten und zählen.

Die Atmosphäre ist ein bisschen feierlich, auch ohne Weihnachtsgedöns wie rote Zipfelmützen und Lametta. Da Citys vor kurzem veröffentlichtes Live-Album „CandleLight Spektakel” betitelt ist, stehen immerhin etliche mehrarmige (Elektro-)Kerzenhalter auf der Bühne und verbreiten die Jahresendatmosphäre, die von den schwarzen Rockerklamotten der Musiker kaum ausgehen würde. Und eine exzellente Lichtshow tut das stimmungsvolle ihre.

„Wie ein Fischlein unterm Eis“ in der a capella-Version

Hier und da geht es schon ein wenig besinnlich zu, besonders wenn Michaelis dran ist. Zum Beispiel, wenn er mit zwei City-Mannen „Ich möchte mir gehörn” intoniert, den Titelsong seines neuen Albums. Eine deutschsprachige Adaptation von Snow Patrols großartiger Rockschmonzette „Chasing Cars” hat er im Programm, die ans Original allerdings nicht heranreicht, und den Ostklassiker „Wie ein Fischlein unterm Eis” aus der Feder des bekannten Vielschreibers Kurt Demmler singt er mutig in einer ausgedehnten a capalla-Soloversion.

City machen naturgemäß mehr Druck, wobei „Rabentenor” Toni Krahl das Set mit unterhaltsamen kurzen Anekdoten, Witzen oder gar überraschend frivolen Goetheversen auflockert. So weist er vor dem Titel „HeyYa (immer gradeaus)” darauf hin, dass es noch auf jeder City-Platte einen „MDR-tauglichen” Schenkelklopfer gegeben habe.

Oder er erzählt, dass mit Ausnahme eines Berliner Senders kein Radio den neueren Titel „Mein Land” im Programm haben möchte, weil er den Redakteuren zu politisch erscheint. Was übrigens absurd ist, aber „das hatten wir schon mal” kommentiert Krahl nur lakonisch und ist sich sicher, dass das Lied auch so seinen Weg in die Herzen der Zuhörer finden wird.

„Am Fenster“ und dann beseelt nach Hause

Dort haben sich über die Jahrzehnte schon viele City-Hits angesammelt. „Das Blut so laut”, eine Neuauflage des 1983 erschienenen Songs „Unter der Haut” bekommt früh frenetischen Applaus. Mit „Sieben Tage lang” und „Casablanca” steigert sich das zweite Set nach der zum „Nachhopfen” genutzten Pause dann ins Finale.

Zwei Superzugaben krönen es. Zunächst Michaelis´ melancholischer Kassenschlager „Als ich fortging”, den das Publikum schwelgend mitsummt. Und schließlich, unter stehenden Ovationen abgefeiert, Citys „Am Fenster”, der erfolgreichste Hit der DDR-Rockgeschichte. Auf nichts anderes hat das Publikum noch gewartet und so darf jedermann beseelt nach Hause gehen und sich aufs nächste Jahr freuen.