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„Schönheit & Vergänglichkeit“: Als Berlin noch schrill war

| Lesedauer: 2 Minuten
Cosima Lutz
„Dome“ Hollenstein im Gespräch mit Sven Marquardt.Real Fiction

„Dome“ Hollenstein im Gespräch mit Sven Marquardt.Real Fiction

Foto: Real Fiction

Dokumentarfilmerin Annekatrin Hendel („Familie Brasch“) verfolgt drei des hippen Berlins der 80er-Jahre. Eine starke Spurensuche.

Was waren das für Feste, als im maroden Stadtbad Oderberger Straße die Ost-Berliner Untergrundszene noch „Modenschauen“ veranstaltete, mit schrillen, selbstgeschneiderten Fantasie-Kostümen: In Annekatrin Hendels Dokumentarfilm „Schönheit und Vergänglichkeit“ sieht man auf altem VHS-Material jemanden in Lederkluft als Riesen-Fledermaus durch die Luft sausen, aufgehängt an einem Seil, quer über das einstige Schwimmbecken. Alle jubeln, die Stimmung ist berauschend.

Heute ziehen hier durchtrainierte Menschen ihre schnurgeraden Bahnen. Berlin, sagt einer der Verkleideten von damals, der Fotograf Robert Paris, sei für ihn nicht mehr „meine, sondern nur noch eine Stadt“. Der Mann mit einem Namen wie aus einem Roman wanderte kurz nach der Wende nach Indien aus.

„Schönheit & Vergänglichkeit“: der Trailer zum Film

Er gehörte mit seinen Freunden Sven Marquardt (Fotograf und Berghain-Türsteher) und Dominique „Dome“ Hollenstein (Schmuckdesignerin) in den Achtzigern zum Kern der Szene, er und „Dome“ waren Marquardts Lieblingsmodelle. In Hendels Film begeben sich alle Drei auf Spurensuche in ihren alten Berliner Leben.

Erinnerungen ans alte, Fragen ans heutige Berlin

Hendel destilliert aus diesem Gefüge keine sentimentale Dokumentation mit Talking Heads. Sie lässt stattdessen ihre Figuren in ihrem natürlichen Umfeld agieren wie auf Bühnen, ab und zu stellt sie Fragen aus dem Off, wie sie es zuletzt auch in „Familie Brasch“ getan hat. Ihre Kameramänner Martin Farkas, Thomas Plenert und Johann Feindt filmen einfach auch dann weiter, wenn jemand beim Sinnieren aus dem Bild spaziert. So entstehen kleine, melancholische Tableaus, die auch ohne Worte auskommen und beim Zuschauen genügend Raum lassen für eigene Erinnerungen ans alte Berlin - und für Fragen ans heutige.

Dokumentarfilm D 2019 79 min., von Annekatrin Hendel