Neu im Kino

„The Good Liar“: Wenn Alt-Stars tricksen

Vorsicht Hochstapler: Helen Mirren und Ian McKellen glänzen in einem Film, der aber nicht ganz so raffiniert ist, wie er glaubt.

Roy Courtnay (hinten) will die arme Betty McLeish (Helen Mirren) übers Ohr hauen.

Roy Courtnay (hinten) will die arme Betty McLeish (Helen Mirren) übers Ohr hauen.

Foto: Warner

Ein bissel schwindeln tut jeder. Das wird gleich zu Beginn dieses Films deutlich, wenn zwei Rentner am Computer auf Partnersuche gehen. Beide geben im Profil zur Sicherheit falsche Namen ein. Und da man schon beim Tricksen ist, klickt Roy Courtnay (Ian McKellen) „Raucher? Nein“ an, mit Zigarette im Mund – und Betty McLeish (Helen Mirren) „Trinker? Nein“, mit Weinglas in der Hand. Natürlich will man sich beim ersten Date erst mal von der besten Seite zeigen.

Aber in „Good Liar“ geht es nicht um den dritten Frühling und auch nicht um Dating-Apps für Rentner. Was als Romantic Comedy fürs gehobene Alter beginnt, wandelt sich bald zum düsteren Thriller. Der so distinguiert wirkende Roy hat es, wie der Zuschauer bald rausfindet, faustdick hinter den Ohren.

Erste Bilder: der Trailer zum Film

Er ist ein Hochstapler aus Leidenschaft und dreht allerlei krumme Dinger, bei denen es um immense Summen geht. Dass er auch gezielt vermögende Witwen abzockt, ist da fast ein Kavaliersdelikt. Als er Betty trifft, will Roy einen letzten großen Schwindel unternehmen. Aber plötzlich zieht seine Masche nicht mehr. Ist er zu alt fürs Abzocken geworden?

Die alte Masche zieht nicht mehr

„The Good Liar“ ist Star-Kino par excellence. Und gibt gleich zwei wunderbaren Schauspielern eine Bühne. Dass Alt-Stars als Hochstapler brillieren, scheint, nach „The Mule“ mit Clint Eastwood und „Ein Gauner & Gentleman“ mit Robert Redford, ein neuer Trend.

Das Problem ist nur: Regisseur Bill Condon betreibt selbst Hochstapelei und überrumpelt immer wieder mit neuen Wendungen. So wird nach und nach ein notorischer Betrüger bloßgestellt, dessen kriminelle Ader weit in die Vergangenheit bis ins Trümmer-Berlin anno ’45 zurückführt.

Der größte Coup ist gar nicht so groß

Das macht einen allerdings zunehmend misstrauisch. Und bevor man Mitleid mit der reizenden Betty kriegt, fragt man sich unwillkürlich, ob Helen Mirren wirklich eine so naiv-gutgläubige Dame spielen könnte, die jedem Betrüger auf den Leim geht. Die größte Wende des Films ist dann doch nicht so überraschend. Auch diese Masche zieht nicht mehr.

Gewarnt sei überdies davor, den Film im Original zu sehen. Er wurde zwar teils in Berlin gedreht, dass aber auch die Rollen der Deutschen von Briten mit lausigem Akzent gespielt werden, ist ein so offenkundiger Betrug, dass kein Filmemacher damit durchkommt.

Tragikomödie GB 2019 110 min., von Bill Condon, mit Helen Mirren, Ian McKellen, Russell Tovey, Jim Carter