Neu im Kino

„Die Eiskönigin“ als Disney-Version von Greta

Fortsetzungen sind selten besser als das Original. „Die Eiskönigin 2“ hält mit Teil Eins mit und ist noch mehr auf Musical getrimmt.

Sie halten zusammen: Königin Elsa mit  Anna, Kristoff und Rentier Sven (v.l.):

Sie halten zusammen: Königin Elsa mit Anna, Kristoff und Rentier Sven (v.l.):

Foto: Walt Disney

Es war einmal ein Disney-Film, nach Motiven von Hans Christian Andersens „Schneekönigin“. Er setzte auf das Thema Selbstfindung und pries das Verhältnis der Schwestern Anna und Elsa als höchste Form der Liebe. Damit traf „Die Eiskönigin“ vor sechs Jahren den Zeitgeist und wurde zum milliardenschweren Kassenschlager.

Teil Zwei gibt sich nun alle Mühe, nicht zu enttäuschen. Schneemann Olaf und Rentier Sven brillieren in hinreißenden Gesangs-Nummern. Die Lovestory von Prinzessin Anna und Eisverkäufer Kristoff nimmt Kommunikationsprobleme im Alltag auf die Schippe.

Erste Bilder: der Trailer zum Film

Und Elsa erhält mit der Hymne „Into the Unknown“ einen passablen Nachfolger ihres Superhits „Let It Go“. Doch unterm Eindruck von dessen Triumphzug durch Casting-Shows wurde „Die Eiskönigin 2“ noch mal mehr Richtung Musical-Film getrimmt.

Diese Königin hätte das Zeug zur Popqueen

Dabei handeln gerade Elsas ermüdende Solonummern in pompöser TV-Studio-Ästhetik von wenig mehr, als dass die Eiskönigin auch das Zeug zum Popstar hätte.

Apropos Handlung: Elsa wird von sirenenhaften Tönen und einem blauen Licht von Riefenstahlscher mystischer Kraft auf eine Reise zu ihren familiären Wurzeln gelockt und dadurch zur Öko-Terroristin, die einen verfluchten Wald in ein vorindustrielles Naturparadies zurückbomben will.

Elsa mutiert also zur Disney-Version von Greta, die gegen unseren schädlichen Einfluss auf die Natur anreitet. Nachvollziehbar erzählt wird das alles nicht, aber mitunter atemberaubend bebildert. Und wenn wir bis dahin nicht alle gestorben sind, dürfte „Die Eiskönigin“ gerade damit auch heute wieder den Zeitgeist treffen.

Animation USA 2019, 104 min, von Jennifer Lee und Chris Buck