Konzertkritik

Sido steht in der Max-Schmeling-Halle mit Sohn auf der Bühne

Rapper Sido bringt hochkarätige Gäste mit in die Max-Schmeling-Halle. Großen Applaus erntet sein Sohn, der mit ihm auf der Bühne steht.

Große Überraschung für die Fans: Rapper Sido wird von seinem 19 Jahre alten Sohn während des Konzerts unterstützt. (Archivbild)

Große Überraschung für die Fans: Rapper Sido wird von seinem 19 Jahre alten Sohn während des Konzerts unterstützt. (Archivbild)

Foto: pa

Natürlich ist der Abend ein Heimspiel für den Rapper, der im Märkischen Viertel aufwuchs. „Auch wenn ihr keine Urberliner seid“, so verspricht es Sido seinen Fans, „für heute Abend seid ihr alle adoptiert.“ Und während das Publikum in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle jubelt, fügt er hinzu: „Doch nur, bis ihr die Halle verlasst, dann seid ihr wieder Schwaben.“

Gewohnt humorig und selbstironisch begeht Sido, bürgerlich Paul Würdig, sein Konzert am Freitagabend. Zum Beispiel, wenn er über seine Arbeit für die Castingshow „The Voice of Germany“ redet, die schließlich schwer mit einem harten Rapper-Image vereinbar ist. Doch der gebürtige Ost-Berliner steht über solchen Dingen. Man merkt ihm an, dass er schon lange nichts mehr zu beweisen hat.

Sido spielt ausgeglichene Mischung aus alten und neuen Songs

Mit Sonnenbrille und Goldkette steht Sido auf der Bühne und spielt eine ausgeglichene Mischung aus alten und neuen Songs. Dabei kommt auch sein aktuelles Album „Ich & keine Maske“, “, mit dem er die Spitze der deutschen Charts erreichte, nicht zu kurz. Von „Tausend Tattoos“, dem Titellied der Tour, bis zu „Fuffies im Club“ ist für jeden etwas dabei.

Es wird deutlich, welche Bandbreite der Rapper im Laufe seiner Karriere mit seinen Songs abgedeckt hat. Das Rüpelhafte seiner alten Lieder hat der Pionier des deutschen Gangsterrap irgendwann gegen eingängige Radionummern eingetauscht. Dabei ist die authentische Sozialkritik ein wenig der Pathetik gewichen.

Im Publikum sind vom Hip-Hop-Greis bis zum Grundschulkind alle Altersgruppen vertreten, und die Fans feiern ältere und frische Nummern gleichermaßen. Ob „Schlechtes Vorbild“ oder „Bilder im Kopf“, man merkt, dass Sido längst ein Routinier großer Arenakonzerte ist.

Sido zelebriert den Song „Mein Block“

Die Klassiker seiner Diskografie, darunter „Mein Block“, zelebriert er ausgiebig. Dabei weiß er die Menge zu lenken und nutzt bekannte Konzertmechaniken voll aus. Da muss die eine Hälfte der Halle lauter singen als die andere, bis auch der letzte heiser ist.

Ein wenig heiser ist an diesem Abend auch der Rapper selbst. Doch davon will er sich nicht ausbremsen lassen. „In Berlin wird durchgezogen“, verspricht er den Fans. Da sei der folgende Tourtermin in Hannover zweitrangig. Das familiäre Gefühl, das so erzeugt werden soll, kommt zwar nur bedingt auf, doch die ausgelassene Stimmung im Saal ist durchaus beeindruckend, zumal es im gesamten Verlauf des Abends keine Durchhänger gibt.

Kool Savas, Johannes Oerding und Andreas Bourani unterstützen Sido

Ein Grund dafür sind sicher die hochkarätigen Gäste, die der 38-jährige in petto hat. So rappt er zwischendurch auf einer kleinen zweiten Bühne inmitten der Menge, während Kollege und Deutschrap-Veteran Kool Savas auf der Hauptbühne am anderen Ende des Saals performt. Auch die Sänger Johannes Oerding und Andreas Bourani unterstützen ihn jeweils für einen Song. Deutlich mehr Applaus erntet allerdings sein ältester Sohn, der ihn für einige Nummern am Schlagzeug begleitet.

Ganz zum Schluss gibt Sido dann mit seinem „Arschficksong“ noch eine Nummer zum Besten, die zur Zeit ihres Erscheinens vor allem durch ihren Schockfaktor Furore machte. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Eltern der anwesenden Kinder ihren Sprösslingen während der letzten Konzertminuten die Ohren zugehalten haben.