Neu im Kino

Julie Delpy und Daniel Brühl: Ziemlich feste Freunde

Die beiden Schauspieler haben schon vier Filme gemeinsam gedreht. Beim vierten hat er ihr sogar aus der Klemme geholfen. Ein Treffen.

„Daniel hat meinen Film gerettet“: Julie Delpy mit Daniel Brühl im Berliner SoHo-House, wo die beiden über ihren Film „My Zoe“ sprachen.

„Daniel hat meinen Film gerettet“: Julie Delpy mit Daniel Brühl im Berliner SoHo-House, wo die beiden über ihren Film „My Zoe“ sprachen.

Foto: Reto Klar

Sie sind schon lange Freunde. Aber zuletzt hat Daniel Brühl Julie Delpy wirklich aus der Klemme geholfen. Viele Jahre musste die französische Schauspielerin und Regisseurin dafür kämpfen, ihr Projekt „My Zoe“ zu realisieren. Als es endlich so weit war, sprangen ihr kurz vor Drehbeginn ein paar, wie sie sagt, „windige Investoren“ ab. Der Film stand vor dem Aus. Aber da sprang Brühl ein.

Als Schauspieler war er sowieso schon an Bord. Aber kürzlich hat er mit Malte Grunert in Berlin eine eigene Produktionsfirma gegründet, Amusement Park. „My Zoe“ wurde nun der erste Film, den er auch mitproduziert hat. Schon als er die Rolle annahm, habe er gedacht, das sei der richtige Stoff, meint der 41-Jährige.

„Aber ich bin sicher, du hättest früher oder später auch jemand anderen gefunden.“ Nein, die 49-Jährige schüttelt energisch den Kopf: „Daniel hat meinen Film gerettet.“ Am heutigen Donnerstag kommt er nun ins Kino.

Mehr zum Thema: Die Filmkritik zu „My Zoe“

Wir haben die beiden zur Berlin-Premiere im Berliner SoHo-House getroffen. Es ist bereits der vierte Film, den sie gemeinsam gedreht haben. Und von allen der härteste und provokanteste. „My Zoe“ handelt in einer nahen Zukunft von einer Frau (Delpy), die ihre Tochter verliert und einen Arzt (Brühl) überredet, einen Klon von der Toten herzustellen. Sie will kein zweites Kind, sie will dieses Kind.

„Ich hab’ geheult wie eine Drama-Queen“

Ein krasser Stoff, wie Delpy selber meint. Seit 25 Jahren hat sie daran elaboriert. Als sie vor zehn Jahren Mutter wurde, kam diese unsägliche Angst hinzu, ihr Kind zu verlieren. Auch davon handelt der Film schmerzhaft.

Als sie Brühl das Drehbuch schickte, wurde der gerade Vater. Sicher der falsche Zeitpunkt, gibt Delpy zu. Brühl hatte denn auch keine Ahnung, was ihn erwartete. Er hat das das Buch in einem Restaurant gelesen. „Ich begann zu heulen“, gesteht er, „und fühlte mich wie eine Drama-Queen.“ Er hat es auch seiner schwangeren Frau zu lesen gegeben. Auch sie hat geweint. Also sagte er zu. Da war es wohl auch Ehrensache, den Film zu retten, als er auf der Kippe stand.

Die Französin, die in Los Angeles lebt und arbeitet, und der in Barcelona geborene Deutsche, der inzwischen auch regelmäßig in den USA dreht, kennen sich seit 13 Jahren. Auf der Berlinale rief damals ein befreundeter Produzent Brühl an, ob er ihm Julie Delpy vorstellen dürfe. Brühl war ein Fan von ihr und sagte sofort zu. Sie hätten viel gelacht, erzählt Brühl. Und korrigiert sich gleich: „Also, ich zumindest. Sie vielleicht nicht. Ich bin nicht so lustig.“

Zum Dessert ein kurioses Angebot

Er glaubte, dies sei bloß ein Dinner zum Kennenlernen. Am Ende fragte sie ihn aber, ob er nicht in ihrer überdrehten Komödie „2 Tage Paris“ mitspielen wolle. „Ich entschuldigte mich gleich, dass es nur eine kleine Rolle sei. Ein Schwuler, der ein Fast-Food-Restaurant in die Luft sprengen will.“ Brühl grinst: „Ich sagte, das sei etwas, was ich schon immer spielen wollte.“

Brühl hat auch in ihrem Gruselfilm „Die Gräfin“ mitgespielt und in der Fortsetzung „2 Tage New York“. Sie sind dabei auch gute Freunde geworden. Das merkt man an der vertraulichen Art, wie sie miteinander umgehen. Brühl bewundert Delpy, wie sie bei ihren Filmen praktisch alles macht. Regie, Drehbuch, gern auch Schnitt oder Musik. Hauptdarstellerin sowieso. Gerade bei „My Zoe“ hat ihn das beeindruckt, wo sie in jeder Szene durch die Hölle muss.

Bei ihrem ersten gemeinsamen Film fühlte er sich noch „ein bisschen gehemmt und nervös“, wenn sie als Schauspielerin mit ihm vor der Kamera stand und er gleichzeitig den Blick der Regisseurin auf sich spürte. War das nun auch komisch für sie, einem ihrer Geldgeber Regieanweisungen zu gegeben? „Überhaupt nicht“, meint Delpy. Und Brühl setzt, fast entschuldigend, hinzu: „Ich bin nur Executive Producer. Und es ist mein Partner Malte, der sich mit dem ganzen Zahlenkram auseinandersetzen muss.“

Julie Delpy will nun nach Berlin ziehen

Brühl ist allerdings stolz, dass dieser konsequente, provokante Film der erste seiner Firma ist. „Das ermutigt mich, weiter zu produzieren. Gerade jetzt, in einer Zeit, in der es immer schwieriger wird, Filme finanziert zu kriegen. Und Kino zu verteidigen“. Denn Kino muss es weiterhin geben: „Dafür will ich kämpfen. Dafür nehme ich die Herausforderung an mit meiner kleinen Firma.“ Demnächst wagt er sich auch an den nächsten Schritt, vor dem er lange zauderte: selbst Regie zu führen. „Da werde ich dann viele Fragen an Julie haben“

Sie hilft sicher gern. Hat er ja auch getan. Nicht nur, als er als Geldgeber eingesprungen ist. Er hat sie auch auf die Idee gebracht, den Film in Berlin zu drehen. Delpy konnte sich lange nicht entscheiden, ob sie den Stoff in Paris oder London ansiedeln sollte. Durch Brühl wurde es dann Berlin. Hier wurden sogar Szenen gedreht, die im Film in Moskau spielen.

Sie hat sich in Berlin verliebt, schwärmt sie, und ihr zehnjähriger Sohn auch. „Du musst hierher ziehen“, meint Brühl. Ja, gesteht Delpy, das habe sie auch vor. „Zumindest teilweise. Sechs Monate hier, sechs Monate Paris.“ In Los Angeles fühlt sie sich schon lange nicht mehr wohl.

„Hör auf, Fußball zu gucken“

Und werden sie auch weiter zusammenarbeiten? Vielleicht auch wieder mit Brühl als Produzent? Das können sich beide vorstellen. „Dann“, feixt Brühl, „drehen wir ,2 Tage Berlin’. „Ich komme auch als Schwuler zurück“, meint Brühl. Da muss auch Delpy lachen: „Nein, diesmal machen wir den ganzen Film über ihn!“

Es ist herrlich mitzuerleben, wie die beiden sich die Bälle zuspielen. Aber ist zuviel Harmonie am Set nicht manchmal auch hinderlich? Nein, meint Delpy und kommt mit einem überraschend konkreten Beispiel: „Freunden kann man auch einfacher sagen: Hör auf, Fußball zu gucken.“

„Das geht auf mich“, erklärt Brühl. Während der Dreharbeiten war Fußball-WM. „Die dramatischsten Szenen haben wir gedreht als Deutschland gegen Korea verlor.“ Das, meint Brühl trocken, hat immerhin geholfen, die Erschütterung im Film glaubhaft wiederzugeben.