Das war’s dann mit dem Nobelpreis! Eigentlich will die 12-jährige Sue Hartmann (Ruby M. Lichtenberg) nur ihre Mutter Maria (Victoria Mayer) zum Geburtstag am Arbeitsplatz besuchen. Leider ist die geniale Biochemikerin gerade dabei, ihre neue Erfindung zu präsentieren: ein Serum, das von Krankheiten befreit.
Da kommt ihr die eigene Tochter mit Sahnetorte und Tischfeuerwerk in die Quere. Und das einzig schriftliche Zeugnis der preisverdächtigen Formel wischt sie auch noch vom Whiteboard. Es kommt zum Streit, bei dem ein 200 Grad heißer Bioreaktor explodiert. Das verletzt Sue aber nicht, sondern verleiht Superkraft: Wenn ihre Körpertemperatur ansteigt, wird sie unsichtbar.
Unheimliche Verschwörung
Kurz darauf wird ihre Mutter entführt. Mithilfe des BMX-Artisten Tobi (Lui Eckardt) und der Hobbyforscherin App (Anna Shirin Habedank) kommt Sue einer Verschwörung auf die Spur. Gemeinsam bilden die drei eine starke Außenseiterfront, auch gegen eine eingebildete Schülerinnengang, die eine Halloween-Party veranstalten und Sue natürlich nicht einladen.

Als vor 17 Jahren mit „Kletter-Ida“ ein dänischer Superheldenfilm für Kinder die Kinos eroberte, monierte die Kritik, Ähnliches wäre in Deutschland nicht denkbar, weil man bei uns Kinder „nicht ernst genug“ nähme. Regisseur Markus Dietrich verfällt nun ins andere Extrem.
Kindheit ohne Wumms und Gewalt
Er verklärt die Kindheit als „einzige Zeit im Leben“, in der man aus „schwierigen Situationen“ nicht mit „Wumms und Gewalt“, sondern mit „Köpfchen und dem Blick für das Besondere“ herauskäme.
Für letzteres nimmt er sich indes nicht all zu viel Zeit. Statt die Charaktere und deren Stärken zu entwickeln, inszenierte Dietrich seine Version eines Superheldenkinderfilms vor allem als bildgewaltige Hommage an eigene Kindheitserinnerungen und die klassischen Comics Marke Marvel und DC. Hier ein Iron-Man-Zitat, dort eins aus den Welten von Harry Potter und E.T.
Etwas zu düster fürs junge Publikum
Das ist aufwändig und durchaus liebevoll gemacht. Auch die Besetzung überzeugt. Und trotz eklatanter inhaltlicher Schwächen sorgen Tempo und Düsternis für etliche Spannungsmomente. Inwiefern es Sinn macht, einen ab 6 Jahren freigegeben Film mit düsteren Psychothriller-Elementen auszustatten, bliebe allerdings zu diskutieren.
Fantasy D 2019 95 min., von Markus Dietrich, mit Ruby M. Lichtenberg, Lui Eckardt, Anna Shirin Habedan


