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„Zoros Solo“: Finde deine Stimme in der Gemeinschaft

Ein Flüchtling will sich nicht integrieren lassen, könnte aber so gut im Chor singen: Davon handelt „Zoros Solo“ mit Andrea Sawatzki.

Die verhärmte Lehrerin Frau Lehmann (Andrea Sawatzki) muss sich mit dem  frechen Zoro (Mert Dincer) plagen.

Die verhärmte Lehrerin Frau Lehmann (Andrea Sawatzki) muss sich mit dem frechen Zoro (Mert Dincer) plagen.

Foto: dpa

In der süddeutschen Kleinstadt Liebigheim ist der 13-jährige Zoro (Mert Dincer) der Schrecken der Straße. Er zockt seine Mitschüler ab und hat das Provozieren von Erwachsenen zum Hobby gemacht. Sieht er einen Mann in der Küche, fragt er: „Warum kochst du? Ist deine Frau tot?“ Die wehrhafte Knabenchorleiterin Frau Lehmann (Andrea Sawatzki) beschimpft er so oft als „Bitch“, dass selbst ein Gangster-Rapper rote Ohren bekäme.

Aber er singt so schön...

Doch als der Sohn einer afghanischen Flüchtlingsfamilie vom Gemeindepfarrer als neues Mitglied der Liebigheimer Spatzen vorgeschlagen wird, muss Lehmann Zoro zum Vorsingen einladen. Und siehe da: Mit seinem hübschen Sopran avanciert der Nachwuchsmacho zum Solosänger.

Erste Bilder: der Trailer zum Film

Und soll sogar zu einem Chorwettbewerb nach Ungarn mitgenommen werden. Für Zoro wäre das die Gelegenheit, seinen in Ungarn festsitzenden Vater, zu dem er übers Handy täglichen Kontakt pflegt, heimlich nach Deutschland zu schmuggeln.

„Zoros Solo“ will als Tragikomödie unverblümt von Flucht und den Hindernissen im Integrationsprozess erzählen. Zugleich beschwört er die verbindende Kraft der Musik. Ein Politiker würde das wohl als Versuch beschreiben, „die Sorgen und Nöte des breiten Publikums ernst zu nehmen“ und ihm das individuelle Schicksal eines Geflüchteten näher zu bringen.

Alle Facetten des Themas gestreift

Dabei bemüht sich der Film offensichtlich, möglichst alle Facetten des Themas zumindest zu streifen: Vom Kirchenasyl über die Strafmündigkeit von Jugendlichen, Familiennachzug und Homophobie bis zur patriarchalen Struktur in konservativen muslimischen Familien – und christlichen Knabenchören.

Regisseur Martin Busker erzählt so schnell so viel und nebenbei, dass die wichtigsten Handlungsstränge kaum ihre Wirkung entfalten können. Die gewaltsame Trennung vom Vater an einem ungarischen Grenzzaun blitzt nur in Rückblenden auf. Vom Alltag in der Flüchtlingsunterkunft wird auch nur fragmentarisch erzählt.

Der Wandel der Beziehung zwischen der verhärmten Frau Lehmann und dem gewitzten Zoro vollzieht sich vornehmlich in pathetisch-erhabenen, wenn auch respektablen Chorstücken. Trotzdem gelingen immer wieder pointierte, anrührende Momente, die „Zoros Solo“ zu einem annehmbaren Film über unsere Gegenwart machen.

Tragikomödie D 2019 90 min., von Martin Busker, mit Mert Dincer, Andrea Sawatzki, Laurids Schürmann