Neu im Kino

„Lieber Antoine als gar keinen Ärger“: Räuber und Gendarm

Pierre Salvadoris Komödie „Lieber Antoine als gar keinen Ärger“ ist eine überdrehte Komödie, bei der allen ein wenig verrückt ist.

Räuber und Gendram: Kommissarin Yvonne ( Adèle Haenel ) taucht unvermittelt im Kasperletheater.auf.

Räuber und Gendram: Kommissarin Yvonne ( Adèle Haenel ) taucht unvermittelt im Kasperletheater.auf.

Foto: dpa

Ein Trupp Polizisten stürmt eine Wohnung. Vorneweg weist der Verwegenste von ihnen hinter vorgehaltener Pistole seinen Kollegen den Weg, wie man das aus amerikanischen Thrillern kennt. Dann wird geschossen und geprügelt, Wände werden eingeschlagen, Glas geht zu Bruch. Doch der Verwegene hält durch.

Wie eine Gummipuppe steht er wieder auf, wenn er zu Boden geschlagen wird, Kugeln weicht er aus. Schließlich springt er aus dem sechsten Stock direkt ins Fluchtauto und bringt den Räuber zu Fall. „War es wirklich so?“ fragt ein kleiner Junge seine Mutter, die das Action-Spektakel gerade als Nachtgeschichte erzählt hat. „Bei der Automarke bin ich mir nicht ganz sicher, aber der Rest stimmt ungefähr.“

Erste Bilder: der Trailer zum Film

Wenn der Mann nicht der war, für den man ihn hält

Pierre Salvadoris „Lieber Antoine als gar keinen Ärger“ gehört zu jener Sorte überdrehter Komödie, die keinen Hehl aus den eigenen Ansprüchen macht. Es darf alles ein wenig verrückt sein. Nichts wird zu ernst genommen, auch nicht das an sich doch sehr ernste Problem der Korruption innerhalb der Polizei.

Denn genau das muss die junge Mutter Yvonne (Adèle Hae­nel) bald herausfinden: Ihr verstorbener Mann, Vater ihres Sohns, war nicht der heldenhafte Verbrechensbekämpfer, für den ihn alle gehalten haben. Er war korrupt. So korrupt gar, dass er nicht davor zurückscheute, einen Unschuldigen für acht Jahre hinter Gittern zu bringen, um etwas Beute zu machen.

Yvonne erfährt das bei der Verhaftung eines Verbrechers. Denn sie ist selbst Polizistin. Fassungslos wendet sie sich an ihren Kollegen Louis (Damien Bonnard), dem einstigen Mitarbeiter ihres Mannes, dem man auf den ersten Blick ansieht, dass er seit Jahren in sie verliebt ist. Was eben auch zur Folge hatte, dass er ihr nie etwas sagen konnte: Er wollte sie beschützen. Yvonne aber plagt das Gewissen. Wie konnte sie nur so blind sein?

Freude am abseitigen Witz

In einer Montage-Sequenz sieht man all die teuren Möbelstücke in ihrem Heim, von denen Yvonne erst jetzt begreift, dass sie eigentlich zu teuer sind für das Gehalt eines „Capitan“ der französischen Polizei. Es ist ein hübscher Moment, in dem der Film zugleich dem Zuschauer zublinzelt: In der Tat, wie konnte diese intelligente Frau so dumm sein und nichts merken?

Mit Freude auch an abseitigen Witzen setzt Salvadori in seinem Film die Wirklichkeit gleichsam aus. In einem Running-Gag etwa gesteht ein Mörder dem diensthabenden Louis seine Tat, entsprechende Beweise hat er in einer Plastiktüte mitgebracht.

Doch Louis ist zu abgelenkt, um zuzuhören, muss er doch Yvonne verfolgen, die am anderen Ende des Büros sitzt. „Machen Sie weiter so!“, empfiehlt er dem Mörder gedankenverloren. Und der macht in der Tat weiter – und taucht wieder und wieder auf, mit immer mehr Plastiktüten in der Hand.

Eine Verführung der besonderen Art

Der Gag ist auch der Schlüssel zu Salvadoris Gen­re: Er versteht es, makabren Witz und romantisches Gefühl auf eine Art zusammenzubringen, die den Zuschauer zwar den Kopf schütteln lässt, aber auch mitreißt. Es ist eine Verführung der besonderen Art, hilflos und ungeschickt und unwiderstehlich und darin der Hauptheldin nicht unähnlich.

Denn auch Yvonne stolpert in ihren Versuchen, das von ihrem Mann begangene Unrecht wieder gut zu machen. Sie will dem jungen Juwelier helfen, den ihr Mann unschuldig hinter Gittern brachte, und der gerade entlassen wird.

Hauptsache, Happy End

Doch diesem Antoine (Pio Marmaï) ist vielleicht nicht mehr zu helfen. So tief empfindet er das Unrecht, das er als unschuldig Verfolgter erlitten hat, dass es einzig dadurch ausgeglichen werden kann, dass er seine Unschuld verliert – und die Tat doch noch begeht. Die Stärke von Pierre Salvadoris Film ist es, dass man als Zuschauer schließlich bereit ist, dieser Logik zu folgen. Hauptsache, am Ende finden die richtigen Liebenden zusammen!

Komödie 108 min., von Pierre Salvadori, mit Adèle Haenel, Pio Marmaï, Damien Bonnard, Audrey Tautou