Neu im Kino

“Terminator: Dark Fate“: Wiederkehr eines Auslaufmodells

Arnold Schwarzenegger erneut in seiner Paraderolle: „Terminator 6“ ignoriert aber die Teile 3 bis 5. Und ist auch sonst problematisch.

Eine Killermaschine als Schläfer: Der Terminator (Arnold Schwarzenegger) hat „in Gardinen“ gemacht. Jetzt holt er wieder die Wumme raus.

Eine Killermaschine als Schläfer: Der Terminator (Arnold Schwarzenegger) hat „in Gardinen“ gemacht. Jetzt holt er wieder die Wumme raus.

Foto: 20th Century Fox

„I’ll be back.“ Ich komme wieder. Der Spruch wird wahrscheinlich noch auf dem Grabstein von Arnold Schwarzenegger stehen. Er stammt aus dem ersten „Terminator“-Film von 1984, wo man dem Österreicher mit dem starken Akzent noch nicht so viel Dialog, nur ein paar knackige Einzeiler zutraute. Aber er wurde zum Selbstläufer. Und zum Versprechen.

Immer wenn man Schwarzenegger schon abgeschrieben hatte, gelang ihm ein Comeback. Und immer wieder kehrte er auch als Terminator zurück. Die Maschine mit dem menschlichen Gewebe ist die Rolle seines Lebens. Was auch deshalb so gut passt, weil der Fleischpalast Schwarzenegger darstellerisch schon immer eher ein Kühlschrank war.

Erste Bilder: der Trailer zum Film

Wiederkehr mit drei guten alten Bekannten

Nun startet am Donnerstag, sogar eine Woche vor dem US-Start, bereits der sechste Terminator-Film „Dark Fate“. Und nicht nur Schwarzenegger kommt wieder. Sondern auch Kultregisseur James Cameron, der sich nach dem zweiten Teil aus der Reihe ausgeklinkt hat und lieber an „Titanic“ und „Avatar“ tüftelte.

Ebenso Linda Hamilton, die mal kurz mit Cameron verheiratet war und ohne ihn keinen „Terminator“ mehr drehen wollte. Dafür wurde sie im dritten Teil recht uncharmant für tot erklärt. Aber jetzt ist das Erfolgstrio wieder vereint. Und macht einfach da weiter, wo „Terminator 2“ 1991 aufgehört hat.

Radikaler Reboot wie einst bei „Dallas“

Ein bisschen ist das wie einst bei der Fernsehserie „Dallas“, wo Patrick Duffy – Sie erinnern sich? – erst nicht hatte weitermachen wollen und dessen Figur deshalb den Serien-Tod starb. Dann kehrte er aber doch reumütig zurück und stand plötzlich wieder unter der Dusche. Eine ganze Staffel, die man dazwischen ohne ihn gedreht hatte, war einfach ein böser Traum seiner TV-Gattin.

Damals fühlten sich nicht wenige Zuschauer auf den Arm genommen. Und das könnte sich jetzt bei „Terminator: Dark Fate“ wiederholen, immerhin hat Schwarzenegger ja in den Nachfolgefilmen mitgewirkt. Der Vorteil des Ganzen aber: Man muss jetzt nicht fünf Filme nachholen, um die Feinheiten zu verstehen.

Ständig von der Zukunft heimgesucht

Die ersten beiden Filme sollte man aber schon parat haben. Man sollte schon wissen, dass in naher Zukunft die Maschinen die Macht an sich reißen und die Menschen liquidieren wollen. Weshalb der Maschinenkonzern – Teil Eins – eine Killermaschine, den Terminator T-800, in die Vergangenheit schickte, um Sarah Connor zu töten, die Mutter des späteren Rebellenführers John Connor. Der John Connor der Zukunft aber schickte einen Menschen hinterher, um seine Mutter zu beschützen.

In Teil Zwei haben sich die Dinge dann verkehrt. Diesmal wurde ein verbesserter Terminator T-1000 geschickt, um den quengelnden Teenie John zu liquidieren. Das ältere Modell T-800 aber, um ihn diesmal zu beschützen. Womit Schwarzenegger eine der kühnsten Image-Wandlungen der Kinogeschichte gelang: vom eiskalten Killer zum idealen Vater.

Der Konzern wurde damals zertrümmert, der Aufstand der Maschinen im Keim erstickt. Beim neuen dritten Teil (oder doch dem sechsten in der Chronologie) geht aber nun alles wieder von vorne los. Gemäß der ökonomischen Erfahrung, dass, wenn ein Multikonzern untergeht, halt ein anderer die Drecksarbeit übernimmt. Der neue Konzern stellt seine Maschinen aber, so aktuell ist der neue Film immerhin, nicht mehr in den USA her, sondern in einem Billiglohnland. Genauer: in Mexiko – dem Land, das Donald Trump zumauern will.

Geballte Frauenpower gegen einen Mann

Dort kommt nun wieder ein Terminator aus der Zukunft an, eine Weiterentwicklung namens Rev-9 (Gabriel Luna), dessen Ziel die junge Mexikanerin Dani (Natalia Reyes) ist. Auch die soll mal einen Sohn gebären, der den Krieg mit den Maschinen aufnimmt. Und auch dieser Frau, die nicht weiß, wie ihr geschieht, wird zum Schutz ein Mensch aus der Zukunft hinterhergeschickt, die junge Kämpferin Grace (Mackenzie Davies).

Das sieht eine Weile aus wie ein einziges Déjà-vu, bloß mit neuen Figuren. Aber da taucht, als es gerade besonders brenzlig wird, plötzlich Sarah Connor (Linda Ha-milton) auf, um den Mädels beizustehen. Hamilton ist inzwischen zwar deutlich gealtert, aber so durchtrainiert, dass sie die jüngeren Kolleginnen ganz schön alt aussehen lässt.

Die schönste Ironie des Films ist denn auch, dass diesmal sie den berühmten Satz – na, Sie wissen schon: „Ich komme wieder“ – sagen darf. Das ist geballte Frauenpower. Drei Ladys gegen eine männliche Maschine. Die kann sich dafür aber auch zweiteilen und buchstäblich aus der Haut fahren. Und sich in jeden Computer einklinken. Womit die ewige Angst vor der totalen Überwachung einmal mehr genährt wird.

Arnie lässt lange auf sich warten

Es dauert eine geschlagene Stunde, bis dann auch Schwarzenegger endlich auftritt. Beide, die altgediente Sarah Connor wie die junge Kämpferin aus der Zukunft, haben nämlich Anweisungen aus Texas erhalten und durchbrechen deshalb, da muss Donald Trump ganz stark sein, die Grenze in die USA. Ist es wirklich bloß Zufall, dass Texas auch die Heimat der „Dallas“-Serie war? Oder gibt es ein Branchengesetz, das vorschreibt, dass besonders bemühte Serien-Reboots hier lokalisiert sein müssen?

Die Damen jedenfalls treffen hier auf das alte Terminator-Modells T-800 (Schwarzenegger). Eine Maschine, deren menschlicher Gehalt durchaus altern kann. Und quasi ein Schläfer, der im Geheimen für das Gute agiert, offiziell aber ein Zweitleben als Familienvater „Carl“ führt und „in Gardinen“ macht.

Das Ganze klingt recht verzwickt und ist doch nur Anlass für reichlich Action. Doch die Spannung wird nicht durchgängig gehalten. Weshalb sich der Zuschauer schon mal bei Gedanken ertappt wie jener, was eigentlich Linda Hamilton seit ihrem letzten großen Film „Dante’s Peak“1997 gemacht hat. Und ob Terminatoren auch Rost ansetzen können.

James Cameron gab nur den Namen her

„Terminator 2: Tag der Abrechnung“ bleibt wohl für immer der beste Teil der Reihe. Und ist eine der wenigen Fortsetzungen, die sogar besser sind als das Original. „Dark Fate“ dagegen ist auch nur ein müder Aufguss wie die Teile Drei bis Fünf. Und das hat zwei simple Gründe.

Der erste ist der: James Cameron hat das Ganze zwar produziert und die Grundidee skizziert. Er hat aber weder am Drehbuch mitgeschrieben noch Regie geführt. Cameron-Filme zeichnen sich dadurch aus, dass sie trick- und effektetechnisch immer mit bahnbrechend Neuem aufwarten und doch zugleich sehr differenzierte Figuren und Konflikte zeichnen.

Schwarzenegger ist sichtlich in die Jahre gekommen

Das Drehbuch von „Dark Fate“ dagegen ist grob gestrickt, auch fehlt ihm jeglicher Humor. Und die alten Zutaten werden nur zitiert, anstatt sie überraschend zu wenden. Tim Miller, der bislang nur bei „Deadpool“ Regie führte, ist einfach kein Visionär, der, wie Cameron, das Kino revolutioniert.

Der zweite Grund aber ist Schwarzenegger selbst. Mit 72 ist er doch sichtlich in die Jahre gekommen und etwas langsamer geworden. Kurz vor den Dreharbeiten hat er obendrein einen Herzinfarkt erlitten. Als Actioner ist er, wie sein T-800, ein Auslaufmodell. Deshalb muss Arnie denn auch einen Satz sagen, der Fans wohl schmerzen wird, der aber vielleicht auch mal fällig ist: „Ich komme nicht wieder“.

Science-Fiction USA 2019 128 min., von Tim Miller, mit Arnold Schwarzenegger, Linda Hamilton, Natalie Reyes, Mackenzie Davies, Gabriel Luna.